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Aktion "Wolle" Wieder einmal befinde ich mich in einer Situation, in der ich überlege, meine Zeit anders zu füllen, als nur am Computer zu sitzen oder zu lesen. Zwar liebe ich Bücher, doch habe ich momentan den Kopf nicht richtig frei, um mich darauf zu konzentrieren. Also fällt mir ein früheres Hobby ein: Handarbeiten. Wie gern habe ich vor Jahren z. B. gehäkelt. Große, dreieckige Schultertücher. Dieses Jahr sind Häkelarbeiten wieder total "In", also kommt mir die Idee, Wolle zu kaufen. Natürlich gibt es da auch eine innere Stimme, die sagt: "Du weißt doch, dass dein Arm leiden wird. Denk an deine Schmerzen, den Arm brauchst du für die Gehstütze". Ich ignoriere sie, weil mir einfällt, wie schnell solch ein Tuch wachsen wird. Darum liebe ich auch das Häkeln: Es geht hurtig voran. Stricken erfordert mehr Zeit und Geduld. Meine innere Stimme meldet sich immer wieder, auch geben Freundinnen zu bedenken. Und meine Tochter meint: "Mama, das Thema hast du doch durch". Als ich durch die Stadt gehe, weiß ich natürlich, wo ich Wolle finden werde. In den Abteilungen zweier Kaufhäuser, wie auch in einem kleinen Geschäft, das Sonderposten anbietet. In meinem Lieblingskaufhaus ist die Auswahl so riesig, dass ich mich nicht entscheiden kann. Also verlasse ich den Laden. Auch im nächsten kann ich noch wiederstehen. Nun betrete ich den "Billigladen", und bei dem dortigen Angebot weiten sich meine Augen. Voller Vorfreue nehme ich einen Einkaufskorb, suche mir unter kuschelweicher (vormals teurer) Wolle so viele königsblaue Knäule aus, wie ich benötige. Die innere Stimme meldet sich erneut zu Wort, ich möge doch vielleicht erst mal nur ein Knäuel kaufen, um anzufangen. Nein, ich w e i ß doch, dass ich das Teil fertig arbeiten werde und kaufe die Gesamtmenge. Fröhlich gehe ich zur Kasse, um zu bezahlen. Mir fällt ein, dass ich keine Häkelnadel mehr besitze, schnappe die Tüte und marschiere zurück ins Kaufhaus, wo ich zwei in verschiedenen Stärken erstehe. Zufrieden fahre ich nach Hause. Dort angekommen, packe ich die Wolle aus, lege sie samt Häkelnadeln auf den Tisch und erfreue mich an dem Farbfleck. Na ja, sofort brauche ich nicht anzufangen, die Arbeit kann gut noch warten. Am nächsten Tag mache ich es mir gemütlich, hole Garn und Nadel hervor und beginne mit der Handarbeit. Bald kommt, wie es kommen muss: Ich spüre meinen Armschmerz verstärkt. Die innere Stimme meint: "Siehste, hab ich doch gleich gesagt, dass es nicht geht". Miststück! Wütend ribble ich die wenigen Reihen auf, denn wieder einmal erfasst mich die Einsicht, dass Handarbeiten für mich vorbei ist. Punktum! Nun aber ist guter Rat teuer. Soll ich die Wolle liegen lassen ("für schlechte Zeiten oder wie"?, fragt spottend die innere Stimme!), oder sie zurückbringen. Ich entscheide mich für letzteres. Also die Wolle wieder in die Tüte gepackt, und ab zum Bus. Unterwegs frage ich mich, ob der Bon dabei ist. Ohne ihn wird eine Rückgabe nicht möglich sein. Ich wühle mich durch die Knäule, finde ihn jedoch nicht. Mist, verdammter! Also zurück, Bon suchen. Als ich die Haustür aufschließe, kommt eine Nachbarin heraus. Eine ältere Frau, von der ich weiß, dass sie Mitglied eines Seniorenclubs ist. Spontan fällt mir ein, sie zu fragen, ob es dort nicht Frauen gibt, die stricken. Sie bejaht, und ich frage weiter, ob ich ihr meine Wolle schenken darf. Lächelnd überreiche ich ihr die Tüte, die sie gerne weitergeben will. Puh! Ich bin richtig froh, dass ich nun nicht noch mal zurück in die Wohnung muss, um den Bon zu suchen. Und dann zur Stadt, um die Wolle zurückzubringen. Doch eines weiß ich: Die Häkelnadeln werde ich aufbewahren. Denn ganz gewiss überkommt mich irgendwann mal wieder ein solcher "Wollkaufanfall" *** Nachspiel Als ich in der Behandlung bei meiner Krankengymnastin liege, erzählt sie freudestrahlend, dass nun auch sie endlich mal das Stricken anfangen möchte. Vielleicht einen Schal, eine Mütze oder ein Paar Socken. Ihr Sohn besucht den Waldorfkindergarten und in der Waldorfschule würden sogar die Jungen diese Handarbeitsart erlernen. Stricken mit zwei Nadeln beansprucht beide Gehirnhälften, Gedanken beruhigen sich. Es ist also ein wunderschönes Hobby. Beinah schafft sie es,
mich mit ihrer Begeisterung anzustecken, denn ich stimme ihr zu. Doch plötzlich quatscht meine innere Stimme schon wieder lästernd dazwischen. Und dieses Mal höre ich auf sie
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