Angekündigtes Gewitter


Irgendetwas verändert sich in der Atmosphäre. Im Haus schlägt krachend eine Tür zu. Das Zimmer, in dem ich mich aufhalte, verdunkelt sich. Ich betrete den Balkon, erschrecke mich ein wenig.

Drohend ziehen dunkelgraue Wolken über den vorher noch weißblauen Himmel. Wind ist aufgekommen, der trockene Blütenblätter von Nachbarbalkonblumen auf unseren Balkontisch und -boden rieseln lässt.

Schwalben fliegen tief, berühren fast die Häuserdächer. Vogelgesang ist beinah verstummt. Irritiert flattern einige Spatzen und Meisen zwischen Büschen umher, keine Amseln hüpfen mehr zur Futtersuche auf dem Rasen.

In der Ferne erstes leichtes Grollen, vermischt mit Glockengeläut. Um halb Neun morgens? Vielleicht eine frühe Hochzeit. Ich wünsche dem Brautpaar gedanklich alles Gute und freue mich mit ihm, dass es nicht 34 Grad heiß ist, es vielleicht sogar die ersehnte Abkühlung gibt. Hochzeitsfotos vor frischgewaschenem Grün stelle ich mir traumschön vor.

Bäume wiegen sich im stärker werdenden Wind. Ich genieße die langsam einsetzende Erfrischung, rette dann Stuhlkissen und Tischsets vor angekündigtem Starkregen.

Das Martinshorn eines Feuerwehrautos nähert sich, als die ersten Tropfen fallen. Welch eine Erholung nach den letzten kaum aushaltbaren Hitzetagen!! Ich halte mein Gesicht dem erquickenden Nass entgegen, spüre Kühle auf meiner Haut, schmecke sie auf der Zunge. Wieder Tatütata! Vielleicht hat Regen in anderen Stadtteilen bereits Keller vollaufen lassen.

Einen Balkonstuhl habe ich in eine geschützte Ecke geschoben, um das Naturschauspiel zu beobachten, atme fantastische Luftreinigung.

Aufgeregt fliegt ein Elsternpaar zu einer hohen Kiefer und setzt sich schnatternd ins geschützte Geäst. In der Ferne grummelt es mehr, allerdings hat das Gewitter unsere Region noch nicht erreicht.

Ich werde abwarten und hoffen, dass aufgestaute Wärme aus den Räumen abziehen möge.

Und wenn nach dem Regen die Sonne wieder scheint, wünsche ich mir einen Regenbogen in Zauberfarben.

Lächelnd gehe ich jetzt hinein, um alle Fenster in Kippstellung zu bringen.

 

 

(25. Juni 2005)
© Karin Ernst