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***** Ein neues Abenteuer von Bjarne *****
An diesem Nachmittag
weiß Bjarne nicht, was er anfangen soll. Ihm ist langweilig.
"Möchtest du heute gar nicht draußen spielen?", fragt
seine Mutter. "Sieh doch, die Sonne scheint."
Bjarne steht am Fenster, überlegt und antwortet: "Okay. Ich
gehe zum Wanderweg. Mal sehen, was da los ist. Vielleicht treffe ich auch
Frau Hartmann mit Cira und Yaku."
Gesagt, getan. Bjarne nimmt seine neue Kappe. Eine Jacke braucht er nicht.
In der Sonne ist es schon angenehm warm.
"Tschüss, Mama", ruft er.
"Viel Spaß, mein Kleiner", antwortet seine Mutter und
winkt ihm nach.
Im Vorgarten guckt er sich um. Vielleicht sind Nachbarskinder draußen,
mit denen er spielen kann? Doch niemand ist zu sehen. `Na gut`, denkt
er, `ich kann mich auch allein beschäftigen.`
Nach dem Sturm der vergangenen Nacht sind einige Äste auf den Gehweg
gefallen. Er sucht ein Stöckchen, als er plötzlich erschrickt.
Zwischen den Zweigen bewegt sich etwas.
`Ein kleiner gelber Punkt, der sich bewegt? Das ist ja merkwürdig.`
Bjarne sieht genauer hin.
In diesem Moment fliegt ein Amselmännchen mit gelbem Schnabel davon.
Einen Moment lang sehen sich Kind und Vogel in die Augen. Das Tier ist
ebenso erschrocken, wie Bjarne, der dem kleinen Piepmatz hinterher sieht.
"Wo er wohl hinfliegt?", fragt er sich. "Vielleicht kann
ich ihn verfolgen. Au ja! Das ist eine gute Idee."
Bjarne geht zum Wanderweg und beobachtet den kleinen Vogel. Der setzt
sich ein Stück weiter auf eine Tanne. Als der Junge bei dem Baum
ankommt, sucht er den Vogel. Ein Eichhörnchen sieht er, das er schon
häufig beobachtet hat. Seinen kleinen schwarzen Freund mit dem gelben
Schnäbelchen findet er aber nicht zwischen den Zweigen.
Er spaziert weiter den Weg entlang. Mit seinem Stöckchen stochert
er zwischendurch ein wenig im Gras oder in den Büschen, die am Weg
wachsen. Mittendrin in einem Fleckchen grünen Grases wächst
etwas Buntes. Bjarne schaut genauer hin. `Ob sich das Vögelchen hierher
gesetzt hat? Ach nein.` Er lacht. `Dort hätte vielleicht eine Biene
Platz, aber kein Vogel. Den könnte ich sofort erkennen.`
Was ist das? Kaum traut er seinen Augen: In der Blüte sitzt eine
Wespe. `Das kann doch nicht sein`, denkt er. `Jetzt ist doch noch kein
Sommer.`
Schnell läuft er weiter. Mit einer Wespe hatte er im vergangenen
Sommer schlechte Erfahrung gemacht. Auf dem Rasen im Garten saß
eine, die er nicht sehen konnte. Barfuß war er drauf getreten. An
die schmerzende Schwellung wird er sich noch lange erinnern.
Den Vogel hat er noch nicht wieder gesehen. Weiter und weiter läuft
er den Weg entlang bis zu einer zartgrünen Wiese. Er freut sich,
denn viele blaue Krokusse wachsen über die ganze Wiese verstreut.
Hübsch sieht das aus. Ganz vorsichtig betritt er die Wiese, um keine
Blüte zu zertreten.
"Wenn der Vogel sich hierher gesetzt hätte, könnte ich
ihn sehen. Die Blüten sind so klein. Dazwischen kann er sich nicht
verstecken." Bjarne schaut sich suchend um, doch kein Vogel ist zu
sehen. Schade!
Beinah gibt er die Hoffnung auf, dass er das Vögelchen noch einmal
wiedersehen wird.
"Bis zu der Schafweide gehe ich noch. Wenn der Vogel dort nicht ist,
drehe ich wieder um", sagt er sich und läuft los. Er freut sich
auf die kleinen Lämmchen. Vor ein paar Tagen hat er die Babyschafe
schon einmal besucht.
Zwei der Lämmer kommen sofort angetrabt, als sie Bjarne sehen. Er
spielt ein wenig mit ihnen, dann macht er sich auf den Heimweg. Unterwegs
schaut er immer wieder nach oben und in die Büsche am Weg. Aber kein
Vogel mit gelbem Schnabel lässt sich blicken.
"Ob ich ihn überhaupt wiedererkennen werde, wenn ich ihn sehe?",
fragt sich Bjarne. "Ich glaube wohl, denn ich habe sein Gesicht ganz
genau gesehen."
Langsam kommen die ersten Häuser in Sicht. Ein bisschen Wind kommt
auf. Plötzlich quietscht es. Bjarne kann nicht erkennen, woher das
Geräusch kommt. Er sieht sich um. Auf einem Haus dreht sich ein Wetterhahn.
Hübsch bunt sieht er aus dort oben. Nun lächelt der Junge aber!
Wer sitzt dort neben dem Wetterhahn auf dem Dach? Sein Vögelchen,
das er die ganze Zeit sucht. Welch eine Freude! Bjarne läuft hin,
um es näher zu betrachten, doch da fliegt es weiter.
Bjarne verfolgt den Flug des Vogels. Kreuz und quer über ihn hinweg
fliegt er. Bjarne dreht sich mit dem Flug des Vogels, behält ihn
weiterhin im Auge.
`Wo ist er denn jetzt schon wieder?`, denkt er.
Von der Dreherei ist ihm ein wenig schwindelig geworden. Er setzt sich
auf die Treppe vor einem Haus, um sich einen Moment auszuruhen. Als er
wieder zu dem Haus mit dem Wetterhahn hochsieht, sitzt der Vogel erneut
daneben. Nur jetzt auf der anderen Seite des Daches.
Bjarne steht von der Treppe auf und geht weiter. Auch der Vogel fliegt
wieder davon.
"Ich werde ihn sowieso nicht weiter verfolgen können",
stellt Bjarne fest, schaut ihm dennoch weiterhin nach. Kurz bevor er zu
seinem Elternhaus kommt, sieht er zwei Vögel auf das Haus der Nachbarn
zufliegen.
"Wieso sind es jetzt zwei Vögel?", überlegt er und
schaut genauer hin. Die beiden setzen sich auf den Schornstein. Aber keiner
von ihnen hat einen gelben Schnabel. "Das sind andere", stellt
er fest und beobachtet sie eine Weile.
Frau Hartmann mit ihren beiden Hunden hat er unterwegs nicht getroffen.
`Sie werden ihren Spaziergang schon beendet haben`, denkt er.
Er möchte den Blick von den beiden fremden Vögeln abwenden,
da sieht er "seinen" Vogel. Der sitzt jetzt in der Dachrinne
auf dem Haus von Familie Hartmann. Bjarne freut sich. Er läuft und
klingelt bei Hartmanns.
Die Nachbarin öffnet. "Hallo, Bjarne. Nett, dich zu sehen. Was
kann ich für dich tun?"
"Frau Hartmann, haben sie eine Leiter?"
"Natürlich haben wir eine Leiter", antwortet sie. "Brauchst
du eine? Hast du etwas Großes vor?"
Er erzählt, dass er seinen Vogel im Flug verfolgt hat. "Nun
habe ich ihn in der Dachrinne auf ihrem Haus gesehen. Wenn ich ganz vorsichtig
hinaufsteige, kann ich ihn mir genau ansehen", sagt er zur Nachbarin.
"Ach, mein Junge, ich glaube nicht, dass er warten wird, bis du oben
angekommen bist. Er würde vorher wegfliegen", antwortet sie.
"Wir können ihn bestimmt vom Garten aus sehen. Komm herein."
Beide gehen in den Garten. Ganz langsam bewegen sie sich. Vorsichtig schauen
sie zum Dach. In diesem Moment erhebt sich der Vogel und fliegt erneut
davon.
Enttäuscht sieht Bjarne ihm nach. In Richtung Forsythienbusch fliegt
er. Bjarne pirscht sich an die gelben Blüten heran und schaut zwischen
ihnen nach. Kein Vogel ist zu sehen.
"Guck du ruhig noch ein wenig", sagt Frau Hartmann. "Ich
muss wieder in die Küche. Cira und Yaku brauchen gleich etwas zu
futtern."
Als sie ihre Namen hören, kommen beide Hunde aus dem Wohnzimmer in
den Garten geflitzt. Sie freuen sich, den kleinen Nachbarsjungen zu sehen.
Alle spielen miteinander. Frau Hartmann bringt den Hunden einen Kauknochen.
Yaku und Cira legen sich zum Fressen auf den Rasen. Dabei darf Bjarne
nicht stören. Das kennt er, sonst fangen die Hunde an zu bellen.
Er weiß, dass sie Angst haben, er könne ihnen ihr Futter wegnehmen.
Noch einmal geht er zu dem Forsythienbusch. "Vielleicht habe ich
nicht richtig hingesehen", überlegt er laut.
Langsam fängt es an zu dämmern. Die Sonne geht schon hinter
den Häusern unter. Den Busch an der Kellertreppe schaut er sich noch
einmal ganz genau an. Auch den Stamm. Dort unten hätte sich der Vogel
gut verstecken können. Aber auch dieses Mal findet Bjarne ihn nicht.
Enttäuscht gibt er die Suche auf. Kurze Zeit setzt er sich noch zu
den beiden Hunden ins Gras und blickt sich im Garten um. Langsam wird
er müde. Er stutzt, denn zwischen zwei Bäumen sieht er etwas
Dunkles fliegen.
"Ob das mein Vogel war?" Er beschließt, dass er nicht
mehr nachsehen wird. "Flieg du nur, du bist eh schneller als ich."
Aber die kindliche Neugier siegt. Vorsichtig geht Bjarne doch zu den Bäumen,
um sich dort umzusehen. Er entdeckt ein Vogelnest. Aufgeregt fragt er
sich: "Ob dort mein Vögelchen wohnt?"
Anschließend macht sich Bjarne auf den Weg zurück ins Haus.
Die Hunde bleiben träge auf dem Rasen zurück. Der Junge verabschiedet
sich von Frau Hartmann. Als er in der Küche auf die Uhr sieht, freut
er sich. Der Vogel ist vergessen. Bjarne hat nämlich an der Uhrzeit
gesehen, dass im Fernsehen bald die Sesamstraße kommt.
Ein schöner Nachmittag geht zu Ende.
Schnell eilt er nach nebenan.
Nach Hause ...
***** E N D E *****
© Karin Ernst
Bild: ©
Karin Scholles
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