|
nach meiner Mitte nehme ich mir heute vor, zu Hause zu bleiben. Das grässliche Wetter, das mich, ähnlich wie gestern, nach dem Aufstehen empfängt, lädt sowieso nicht zum Spazieren gehen ein. Einzukaufen gibt es heute nichts, also kann ich es mir gemütlich machen. Es ist ein Samstag im November. Heute sind Kuschelklamotten angesagt. Nach dem Duschen schlüpfe ich in dicke Socken, dann in meine schaffellgefütterten Puschen, ziehe eine Bequemhose an und darüber einen schafwollnen Gemütlichkeitspullover. Ja, so ist mir herrlich warm. Zum Frühstück hole ich drei Kerzenleuchter aus dem Wohnzimmer, so wirkt die Küche heimelig. Im Hintergrund leise Musik, und ich kann zwischen "Lebensfreude", "Winterkräuter" oder "Glückstee" wählen. Die drei Sorten hatte ich mir gestern gekauft. Inzwischen habe ich sieben wohlschmeckende, teils wärmende Teesorten vorrätig, und sicherlich werde ich mir den einen oder anderen Teebecher im Laufe des Tages aufgießen. Gekocht wird nicht. Obst ist genügend vorhanden, ebenso herrlich frisches Vollkornbrot, vegetarischer Aufstrich und Bio-Käse. Zwei große Gläser Naturjoghurt, den ich mit Ahornsirup süße, warten als Magen- und Darmschmeichler im Kühlschrank. Ich werde schon nicht verhungern, denn nach schwerer Kost (im Hausflur riecht es nach Kohleintopf) ist mir nicht, eher nach kleinen leichten Mahlzeiten. Auch weiß ich, dass im Wohnzimmerschrank noch eine halbe Tafel Schokolade mit ganzen Nüssen liegt :-) Nachdem die Küche aufgeräumt ist, überlege ich meinen Tagesplan. Wäsche muss aufgehängt werden, Spülen hat Zeit. Ich könnte Schubläden aufräumen, doch das hat erst recht keine Eile. Zu solchem Kramen habe ich heute überhaupt keine Lust. Gerne möchte ich den Tag nutzen, zur Ruhe zu kommen, zu entspannen, in mich zu gehen, positive Gedanken zu finden. Nicht so viel "tun", mehr "sein lassen." Ich werde ein wenig am Computer sitzen, Mails beantworten, ein bisschen an meiner Homepage arbeiten, alles in Ruhe und ohne Stress. Möchte ein paar Reihen an meinem Schal stricken, daneben kann eine Entspannungs-CD laufen, so dass schweres Grübeln entfällt, sich hoffentlich Gedankenleichtigkeit einstellt. Auch kann ich in meinem aktuellen Buch lesen und vielleicht in dem Anleitungsbuch zum Schachspiel stöbern, das seit kurzem auf meinem Tisch liegt, oder auch schreiben. Am besten lasse ich alles auf mich zukommen, mache das, was ich m ö c h t e - genau in dem dafür richtigen Moment. Wenn ich auf mein Inneres höre, wird es passen. Wunderschöne Sprüche, die ich in den letzten Tagen gefunden und geschickt bekommen habe, bringen mich auf den Weg, weniger Hektik in mein Leben zu lassen. Von Loslassen ist die Rede, von gut-zu-mir-selbst-sein, im Heute leben, anstatt an die Zukunft zu denken. Prima Ideen! Eine befreundete Therapeutin empfahl mir, meine "eigene Mitte" zu finden. Doch wie sieht diese aus? Wo verbirgt sie sich? Meditationsübungen probiere ich aus, denke mir kleine positive Sätze aus, die mir zur Entspannung verhelfen. Seelenschmerz der letzten Zeit mag sich auflösen, negative Gedanken sich in positive wandeln. Ich werde versuchen, das Wort "muss" in "möchte" zu ändern, so dass ich alles ein wenig lockerer angehen kann. Für ein paar Minuten lasse ich frische Novemberluft ins Wohnzimmer, schließe dann die Balkontür, damit Wärme den Raum durchfluten kann. Nun mag er gelingen: Mein heutiger Tag der Ruhe und Entspannung. Vielleicht ist er der Anfang weiterer Ruhetage, um in meinem Inneren die Stille zu finden. Damit ich eines Tages ganz gewiss auch sie entdecken werde: Meine Mitte. Mittags scheint für kurze Zeit die Sonne. Ich genieße den Blick aus dem Fenster, um von ihren Strahlen Licht in mein Herz aufzunehmen, bevor Grauwolken sie wieder zudecken. Welch seelenleichtes Gefühl! *** In einer Mail, die während des Schreibens ankam, fand ich diese Empfehlung (danke, liebe Renate): "Lass' die negativen Gedanken einfach fortschwimmen im Fluss deines Lebens. Probiere es!" Ja! Ich werde es probieren!
(10. November 2007)
|