Bjarnes Mutter steht in der Küche und rührt Teig. Sie will Pfannkuchen backen, die ihr Sohn gerne zu Mittag isst. Bald müsste er vom Spielen kommen. Sie wirft einen Blick aus dem Küchenfenster, aber Bjarne ist noch nicht zu sehen.

Liebevoll deckt die Mutter den Tisch. Als sie gerade die Bratpfanne auf den Herd stellt, klingelt es. Die Mutter öffnet die Tür. Traurig steht Bjarne davor und weint.

"Was ist passiert?", fragt sie.

Bjarne antwortet schluchzend: "Mein Ball ist weg."

"Oh, welcher denn, der Fußball oder dein kleiner, bunter?", fragt Bjarnes Mutter.

"Der Fußball ist im Schuppen. Es ist der kleine, bunte. Ich hatte so toll mit ihm gespielt. Aber bei dem schönen Wetter sind viele Tiere draußen. Ich habe sie beobachtet und auf einmal war er nicht mehr da."

Die Mutter sagt lächelnd: "Ja, deine Freunde, die Tiere. Wo warst du denn überall?"

"Ach, Mama", antwortet Bjarne, "hinterm Haus war ich und am Wanderweg bis zur Schafweide."

"Gut, mein Kind. Nach dem Essen gehen wir beide zusammen den Weg, den du gegangen bist. Wir werden deinen Ball schon finden."

Obwohl Pfannkuchen sein Leibgericht sind, mag Bjarne heute gar nicht viel essen. Sein bunter Ball, den die Oma ihm bei seinem letzten Besuch geschenkt hatte. So einen schönen hat keiner seiner Freunde. Nun ist er weg. Traurig und bedrückt sitzt er am Tisch.

Nach dem Essen gehen Bjarne und seine Mutter los. Vor ihrem Haus steht eine schöne Tanne. Dort wohnt ein Eichhörnchen. Als die beiden aus dem Haus kommen, schaut ihnen das Eichhörnchen neugierig entgegen. Bjarne hätte es beinah gefragt, ob es seinen Ball gesehen hat. Doch dann denkt er: `Wie soll mein bunter Ball auf den Baum gekommen sein? Das Eichhörnchen kann ihn nicht dort hinauf bringen.` Er winkt dem Eichhörnchen zu, und geht mit seiner Mutter weiter.

Ein Stück gehen sie den Wanderweg entlang, bis sie zu einer Hühnerwiese kommen. Bjarne läuft vor und schaut dem bunten Hahn zu. Den mag er unter all den Hühnern besonders gut leiden. Er stutzt. Der Hahn hat ein Loch gebuddelt. Sein Ball fällt ihm ein. "Hast du etwa meinen bunten Ball vergraben?"

Seine Mutter hört, was er sagt und antwortet: "Bjarne, das geht wohl nicht. Der Hahn scharrt nur. Für deinen Ball müsste er ein viel größeres Loch buddeln. Komm, wir suchen weiter."

Beide laufen weiter und kommen zu einem kleinen Teich. Ein Entenpärchen schwimmt darauf. Der Entenvater taucht gerade seinen Kopf ins Wasser.

"Hallo", ruft Bjarne. "Habt ihr meinen bunten Ball gesehen? Ist er vielleicht dort unten im Wasser?"

Die Enten schauen ihn an. Da fällt dem Jungen ein, dass der Ball nicht untergehen kann. Sicher würde er oben auf dem Wasser schwimmen. Mama und er schauen sich genau um, aber kein bunter Ball ist zu sehen.

Sie gehen weiter und bald sehen sie die Schafwiese. Bjarne rennt los, weil er sich auf die Lämmchen freut. Viele kleine sind auf der Wiese. Weiße und auch ein schwarzes. Zu niedlich ist es.

Als er am Zaun steht, kommen alle Schafe angelaufen. Die Lämmer springen munter umher. Suchend blickt Bjarne sich um. "Nein, hier ist mein bunter Ball nicht", stellt er fest.

Seine Mutter nickt. "Ich kann ihn auch nicht sehen", sagt sie.

Ein Stückchen weiter springt ein Schaf über einen Graben.

"Hoppla", ruft Bjarne und freut sich. Was schillert denn dort so schön bunt? Sollte das etwa sein kleiner Ball sein? Aber nein, im Wasser spiegelt sich nur ein Sonnenstrahl.

Ein Mutterschaf kommt langsam zum Zaun getrottet. Eines der Lämmchen läuft mit.

"Mama, guck mal. Das Schaf hat aber einen furchtbar dicken Bauch." Bjarne schaut und staunt. Das dicke Schaf wird doch nicht seinen bunten Ball verschluckt haben?

Mama sieht ihm an, was er denkt und muss lachen. "Nein, Bjarne. Das Schaf kann den Ball nicht verschluckt haben. In seinem Bauch ist kein Ball, sondern ein Baby. In den nächsten Tagen wird es geboren werden. Dann ist hier noch ein Lämmchen mehr auf der Weide und wir werden es uns ansehen, wenn du möchtest."

"Natürlich will ich", antwortet Bjarne und kann es kaum abwarten.

Weil sie den Ball nicht gefunden haben, machen sich beide auf den Heimweg. Obwohl Bjarne viel Freude bei den Schafen hatte, ist er traurig. Wo mag sein Ball nur sein? Auf einmal hat er eine Idee: "Mama, können wir gleich noch bei Frau Hartmann klingeln? Sie geht doch immer mit ihren beiden Hunden spazieren. Vielleicht findet sie meinen bunten Ball."

"Das ist eine gute Idee", antwortet seine Mutter. "Yaku und Cira stöbern eine ganze Menge auf, wenn sie unterwegs schnüffeln. Vielleicht hast du Glück."

Bjarne ist zufrieden. Als sie zu Hause ankommen, klingeln sie gleich an der Nachbarstür. Frau Hartmann öffnet. "Guten Tag, ihr beiden. Was gibts denn?"

Während Bjarnes Mutter mit ihr in die Küche geht, um ihr alles zu erzählen, kommt Cira, die Hündin, ganz zaghaft angetrabt. Yaku liegt in seinem Körbchen im Wohnzimmer. Er ist älter als Cira und läuft nicht mehr bei jedem Besuch an die Tür. Bjarne wundert sich. "Was ist denn los, Cira? Sonst kommst du doch immer angerannt, wenn du mich hörst. Ist etwas mit dir? Frau Hartmann, ist Cira krank? Sie verhält sich so merkwürdig", ruft Bjarne.

Seine Mutter und die Nachbarin kommen aus der Küche und gemeinsam gehen sie ins Wohnzimmer. Cira hat sich in ihr Körbchen verzogen und legt die Ohren an. Ganz verlegen guckt sie zu Bjarne.

Aber was ist das?

Bjarne stutzt. Unter dem Fell, auf dem Cira sitzt, ist eine dicke Beule zu sehen. Bjarne starrt in das Körbchen und lacht. Vor lauter Freude kann er gar nicht aufhören.

In Ciras Hundekörbchen findet er seinen kleinen, bunten Ball. Er nimmt ihn heraus und wundert sich: Wann hat sie ihn dorthin gebracht?

Aber das wird wohl immer ihr Geheimnis bleiben ...




*** E N D E ***





© Karin Ernst

Bild: © Karin Scholles