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Klingelt der Wecker laut in
der Früh
finde ich, wie so manche, traurig das nie
dass ich jetzt schon aufstehen muss
von meinem Mann bekomm ich nen Kuss
auch nächtliche Schmerzen hören fast auf
wenn erst mal beginnt des Alltages Lauf
ist Männe zur Arbeit, fahr ich den PC hoch
schauen nach Mails muss ich erst doch
die Neugier siegt, ich kann es nicht lassen
mich vor allem andren damit zu befassen
von nun an bin ich in der virtuellen Welt
wo für eine Weile nichts andres mehr zählt
sie nimmt mich gefangen, es läuft die Zeit
nichts ist mehr wichtig, Pflichten sind weit
Homepages locken, werden angeseh' n
manch' liebe Grüße zu anderen weh' n
plötzlich es klingelt, wer will da stören
eigentlich will ich jetzt gar nichts hören
schnell wird daher das Gespräch beendet
mich gleich wieder dem PC zugewendet
Mails sind erledigt, es folgt ein Gedicht
ohne eins läuft der Tag bei mir nicht
kaum sitz ich und grüble über den Text
geht's wieder los, Störung, the next
langsam werde ich nun wirklich böse
das Telefon bimmelt mit reichlich Getöse
doch dieses Gespräch tut mir sehr gut
ich mache mit Worten jemandem Mut
weil schon unterbrochen, husch ich ins Bad
der Computer die Pause verdient sich mal hat
danach Betten machen, Gedanken gelingen
muss sie danach nur in Word unterbringen
schon sitze ich also wieder vorm Kasten
will mich mit anderem gar nicht belasten
außerdem regnet es heute am Stück
da hab ich ne Ausrede, was für ein Glück
dass ich zu gar nichts weiterem komme
wenn mir's dabei auch ein wenig beklomme(n)
inzwischen ist Mittag, was will ich essen
ignoriere den Hunger, bin wie besessen
irgendwann mach ich ne Kleinigkeit
nehme zum Essen mir jedoch richtig Zeit
ein bisschen Entspannung ist angesagt
danach der Computer schon wieder gefragt
ich muss mich beeilen, bald kommt mein Mann
für mich ist dann Schluss, denn jetzt ist er dran
wir beide nutzen den Compi gemeinsam
nein, ich bin dennoch durchaus nicht einsam
die Türen steh'n offen, wir sehen uns doch
und andres zu tun hab genügend ich noch
sollte mein Text nach Computersucht klingen
behaupte ich, er kann Abwechslung bringen
bei mir gab es Zeiten, wo anders es war
Langeweile in mir, und das Jahr um Jahr
Grau in der Seele, zur Arbeit der Mann
mich schaute schon morgens das Alleinsein an
so kam es, dass irgendwann Einzug er hielt
und nun wird mit ihm auch gerne gespielt
denk ich auch manchmal, so geht es nicht weiter
ist mein Leben verändert, von traurig zu heiter.
© Karin Ernst
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