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Das unheimliche Päckchen Wer kann das denn sein, frage ich mich, als es eindringlich an der Wohnungstür klingelt. Für einen Moment klopft mein Herz etwas schneller. Nein, es ist viel zu früh. Bin selbst noch im Schlafanzug, der sich im Katalog, wo ich ihn bestellte, "Hausanzug" nennt. Also traue ich mich an die Tür. Ich frage durch die Sprechanlage: "Wer ist dort"? "Paketpost" bellt jemand zurück, und ich betätige den Türöffner. Schnell grabe ich in meinem Gedächtnis. Aber beim besten Willen fällt mir nicht ein, dass ich noch etwas bestellt habe. Die Online-Medikamente sind geliefert worden, obwohl ich das Päckchen heute bei der Post abholen muss *grummel*. Schwere Schritte stapfen die Treppe hoch, und ein riesiger Mann trägt ein winziges Päckchen in der Hand, das er mir überreicht. Ich unterschreibe und schließe schnell die Tür. Komisch, überlege ich, was kann das nur sein? Ich schüttle den Karton, er ist leicht, kann also keine Bombe enthalten. Lesebrille aufgesetzt, Absender gelesen. Holland? Was hab ich mit Holland zu tun? Vielleicht Rauschgift? Man hört und liest so viel Innerlich bin ich doch ein bisschen nervös. Doch wer sollte mir so etwas schicken? Meine Adresse ist in gut leserlicher Handschrift geschrieben, der Absender aufgeklebt. Endlich fällt es mir ein! Vor 2 - 3 Wochen habe ich eine kostenlose Warenprobe bestellt, von der in einem Forum mehrfach geschwärmt worden war. Auweia, die hatte ich doch glatt vergessen. Wird doch wohl nicht schlimmer? Beginnendes Alzheimer. Nun ja, eher wohl Hildeheimer *grins*, die Vorstufe davon, wie ich irgendwo witzigerweise hörte. Wie immer ist der Karton total mit Klebeband verkleistert, so dass ich selbst mit einem scharfen Küchenmesser Mühe habe, an den Inhalt zu gelangen. Zuerst sehe ich gar nichts. Das heißt, es wimmelt von kleinen Styroporrollen. Beim Ausschütten fallen natürlich welche auf den Kachelfußbogen, eine gar bis ganz hinten unter den Tisch. Verflucht! Hundchen, Katze, wo seid Ihr? Helft bitte! Kein Hund, keine Katze ich muss mich selbst bücken. Ganz unten im Kartönchen entdecke ich ein kleines Fläschchen, umwickelt mit einem Zettel. Ich rolle ihn vorsichtig ab, es ist eine Gebrauchsanleitung für das Mittel. Nachdem ich in der Küche Ordnung gemacht habe, lese ich mir den Zettel durch. Dieses Naturmittel wird mir heute Abend vielleicht helfen, zur Ruhe zu kommen. Doch dann stutze ich. Die "Zutaten" lesen sich recht vernünftig, doch enthält der Inhalt noch Alkohol. Enttäuscht packe ich die Inhaltsangabe in meine Handtasche. Ich muss sowieso zum Hausarzt, werde ihn fragen. Dann klicke ich zur Homepage des Herstellers. Viel steht dort nicht. Saft zum Ein- und Durchschlafen: Passionsblume, Weißdorn, Mistel, Hopfen, Hafer und Quell Stadon (was mag das wohl sein?) sind als Wirkstoffe angegeben, dazu die Einnahmeempfehlung und der (horrende) Preis für die Originalmenge. Als ich später meinem Hausarzt den Beipackzettel zeige, schüttelt er verneinend den Kopf. Es seien nicht nur keine besonderen Inhaltsstoffe, die das Preis-Leistungs-Verhältnis rechtfertigen, sondern für mich sei der Saft auch ungeeignet. Weil er 3 % Alkohol enthält, für eine absolute Nichttrinkerin ungünstig. Ich beschließe, ihn meiner Hilfe zu schenken, die ebenfalls unter Schlafstörungen leidet. Viel Gedöns um wenig, denke ich und bin froh, nicht gleich eine große Flasche bestellt zu haben. Werbung - nein danke!
(02. April 2008)
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