Der Busfahrer hat gewartet

Heute Morgen bin ich sehr gerne aufgestanden, denn der Sommer hatte sich doch ein wenig besonnen: Es war nicht mehr so kalt wie in den letzten Tagen. Sofort stieg der Pegel meiner guten Laune nach oben, wie die Anzeige auf dem Balkonthermometer. Es schien, als wollte sich auch die Sonne zeigen. Wenn auch für nachmittags erneuter Regen angesagt war, so wollte ich jeden Sonnenstrahl genießen!

Voller Schwung machte ich mich an mein Tagwerk.

Am Vormittag fuhr ich erneut zu meinem Meister für Akupunktur, freute mich auf seine Behandlung, die mir immer gut tut. Dort fand ich im Liegen tiefe erholsame Entspannung, Schmerzen konnte ich beinah vergessen.

Bis dahin hatte ich meinen Tag als positiv bezeichnet, es sollte aber noch besser kommen.

Als ich die Praxis verließ, war es ½ 12 Uhr. Ich fuhr mit der Straßenbahn zur Innenstadt, um bei meinem Lieblingstürken zu Mittag einen gemischten Salat mit Schafskäse und einem Stück Fladenbrot zu essen. Während der Fahrt genoss ich die Wirkung der Nadeln.

Nach dem Essen ging ich ein Haus weiter, wo sich die Krankengymnastikpraxis befindet, in der ich nun behandelt werden sollte.
Auch die Hände dieser Therapeutin taten mir sehr gut. Zufrieden dankte ich und wünschte ihr einen schönen Resttag.

Nun überlegte ich, ob es noch etwas zu besorgen gab. Plötzlich hatte ich eine Idee und begab mich gezielt auf den Weg zu einem nahe gelegenen Kaufhaus. Über eine Rolltreppe erreichte ich die Kinderabteilung und machte mich auf die Suche.

Wo waren sie nur? Es müsste doch welche geben, auch jetzt, im Sommer. Wegen des heute begonnenen Sommerschlussverkaufs (den es "offiziell" nicht mehr gibt) war es sehr voll. Dennoch wurde ich fündig. Ja, die waren richtig.

Ich freute mich sehr, als ich zwei Jungenmützen fand, die genau meinen Vorstellungen entsprachen, wie Jungensommermützen auszusehen hatten. Eine Freundin wollte ihren beiden Rackern welche nähen, nun war ich ihr zuvor gekommen.

An der Kasse vergrößerte sich meine Freude noch. War der ausgezeichnete Preis durch den Ausverkauf bereits reduziert, hieß es hier: Reduzierung zusätzlich um weitere 40 Prozent. Da wusste ich, ich hatte ein Schnäppchen ergattert und zog zufrieden mit meiner Einkaufstüte los.

Bis zur Bushaltesstelle waren es ca. zwei Minuten. Ich hoffte, dass ich den Bus noch erreichen würde, der genau in zwei Minuten abfahren sollte. Als ich bei der Ampel ankam, überzog Enttäuschung mein Gesicht. Der Bus fuhr bereits an der Haltestelle los. Allerdings hatte ich "Grün", also musste er am Zebrastreifen, den ich nun überquerte, halten.

Ich ging den Überweg nicht zu Ende, sondern winkte dem Busfahrer zu. Er nickte bejahend zurück, öffnete sofort die Tür und ließ mich einsteigen. Inzwischen war die für den Bus zuständige Ampel bereits umgesprungen, der Fahrer aber wartete, bis ich Platz genommen hatte. Nicht jeder Rheinbahnfahrer hätte so entschieden!

Welch ein positiver Tag!

Freudig zeigte ich nun meinen Fahrausweis vor und verschenkte mein schönstes Lächeln.

 


(25. Juli 2005)
© Karin Ernst