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Die kleine Meise Es war am vorletzten Sonntag Bereits morgens war wunderschönes Sommerwetter, so dass das Aufstehen Spaß machte. Genauso wie das gemeinsame Frühstück, das mein Mann und ich -wie jeden Sonntag- genossen. Nach dem Frühstück nahm er sich noch einen Becher Kaffee und begab sich mit einer Zigarette auf den Balkon. Währenddessen räumte ich in der Küche das restliche Geschirr zusammen, wobei ich vor mich hinsummte. Plötzlich hörte ich Werners erschrockenen Ruf: "Komm bitte schnell. Oh nein, wie furchtbar!" Er ist kein ängstlicher Mensch, darum war ich ein wenig verdutzt, ging aber sofort ins Wohnzimmer, in das er inzwischen hinein gegangen war. Ich hoffte, dass nichts Schlimmes geschehen war. Als ich sah, was passiert war, musste ich ein wenig lächeln, weil ich so große Augen selten bei meinem Ehemann gesehen habe. Eine kleine Meise hatte sich verirrt und war im Wohnzimmer gelandet. Aufgeregt flatterte sie in Fensternähe umher und flog auch einige Male gegen die Fensterscheibe. Danach war sie so matt, dass sie auf der Fensterbank sitzen blieb. "Nimm sie doch
einfach in beide Hände und trag sie hinaus", bat ich meinen
Mann. Da ich mich an ein ähnliches Erlebnis erinnerte, bei dem ein Spatz sogar zwischen Wohnzimmer und Küche hin- und hergeflogen war, näherte ich mich langsam und ruhig dem Fenster. Das Köpfchen der Blaumeise, von der ich annahm, dass es sich um ein Junges handelte, bog sich neugierig in alle Richtungen. Und doch hörte der Vogel mich kommen. Er erhob sich und flog erneut aufgeregt hin und her. In der Annahme, er könne durch die Fensterscheibe entkommen, prallte er erneut dagegen und fiel auf die Fensterbank. In diesem Moment griff ich zu. Leider rutschte mir das Vögelchen wieder aus den Fingern. Beim zweiten Versuch bekam ich die Meise endlich zu fassen. Vorsichtig hielt ich sie mit beiden Händen fest. Das kleine Herz klopfte heftig, und große Augen schauten mich an. Ich sprach leise auf sie ein, sie möge sich nicht erschrecken und trug sie auf den Balkon. Dort streichelte ich sie tröstend und ließ sie dann fliegen. Lächelnd schauten wir beide dem Vogel nach, der sich anscheinend nicht verletzt hatte. Wir hofften innerlich, dass er sich zukünftig von Wohnräumen fernhalten würde. Im Anschluss an die gelungene Aktion merkte ich meinem Mann die Erleichterung an, dass ich den Vogel gerettet hatte!
(02. Juli 2005)
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