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Niklas kommt nach
dem Spielen aufgeregt nach Hause. Er ist ganz aus der Puste.
"Mama, stell dir vor, Maltes Mutter hat gesagt, ich kann morgen mit
ihnen in den Südpark gehen. Darf ich?", fragt er. "Ach
bitte, bitte!"
"Natürlich kannst du mitgehen. Beim nächsten Mal nehmen
wir dann Malte zu unserem Spaziergang mit", antwortet sie.
Niklas ist zufrieden. Voller Vorfreude auf den nächsten Tag fällt
er abends müde ins Bett.
Am anderen Morgen springt Niklas aus den Federn. Nicht schnell genug kann
es ihm heute gehen. "Wir gehen in den Park, wir gehen in den Park",
singt er voller Freude.
Papa wundert sich. "Was ist denn mit dem Jungen los?", fragt
er seine Frau.
"Maltes Mutter hat vorgeschlagen, unseren Sohn mit in den Südpark
zu nehmen", antwortet sie.
"Ach, darum", sagt lachend der Vater. "Sie werden viel
Spaß haben, denn sicher sind die Tierbabys schon geboren."
Der Südpark ist ein beliebtes Ausflugsziel. Auch Niklas geht gerne
mit seinen Eltern dorthin. Er bietet viele Freizeitmöglichkeiten.
Spielplätze mit Schaukeln und Sandkiste. Ein großes Café
mit Sitzmöglichkeiten im Freien. Große Wiesen für Ballspiele
und Wege zum Radfahren oder Rollern. Die größte Freude für
Kinder ist aber mittendrin der kleine Zoo. Es gibt Schafe und Ziegen,
einen großen Koben für Schweine, Gänse und Enten. Außerdem
viele Kaninchen und Hasen. Selbst Bienenkörbe sind vorhanden, die
ein Imker gerne den Gästen zeigt. Die besondere Attraktion innerhalb
dieses Zoos aber ist das Meerschweinchen-Gehege. Wie ein Mini-Dorf ist
es aufgebaut. Winzige Häuschen gibt es, in denen die kleinen Nager
wohnen. Ringsherum hat das Dorf einen Maschenzaun, vor dem die Kinder
gerne stehen bleiben.
Nach dem Frühstück hat Niklas es sehr eilig. "Wie spät
ist es?", fragt er. "Kann ich schon loslaufen?"
Mama beruhigt ihn. "Du hast noch genug Zeit, ein bisschen zu spielen."
Niklas kann es jedoch kaum abwarten. Als es zehn Uhr ist, darf er endlich
seine Jacke nehmen. "Tschüss, Mama. Tschüss, Papa",
ruft er und will losflitzen.
"Warte", ruft seine Mutter, "ich habe dir für die
Tiere noch ein paar Möhren und Äpfel klein geschnitten und eingepackt."
Sie steckt einen Frühstücksbeutel in Niklas Rucksack.
"Au ja, das ist toll. Nun können wir die Schafe und Kaninchen
füttern." Begeistert läuft Niklas zum Nachbarhaus und seine
Eltern winken hinterher. Malte und seine Mutter stehen schon vor der Tür
und warten. Sie steigen ins Auto und nachdem alle angeschnallt sind, fahren
sie los.
Am Park angekommen, springen die Jungen aus dem Auto. Sie können
es kaum erwarten, sich alles anzusehen.
"Nun lauft schon vor", sagt Maltes Mutter lächelnd und
beide stürmen los. Welche Freude, als sie zur großen Wiese
kommen. Malte, der etwas schneller als Niklas gelaufen ist, ruft: "Sieh
nur, Niklas! Die Schafe sind schon auf der Weide."
Im Winter sind alle Tiere in Ställen untergebracht. Sobald das Wetter
es erlaubt, dürfen sie ins Freie.
Niklas nimmt seinen Frühstücksbeutel aus dem Rucksack und lockt
die Schafe mit den Möhren. "Sieh mal, dort hinten sind kleine
Lämmer", ruft er erfreut.
Beide Jungen gehen näher an die Babyschafe heran. Doch sie können
noch keine Möhren fressen. Außerdem sind sie scheu und verkriechen
sich bei den Müttern. Gar nicht satt sehen können sich Niklas
und Malte.
Nach einer Weile möchte Maltes Mutter im Café eine Tasse Kaffee
trinken. Die beiden Buben bleiben derweil auf dem Spielplatz gleich nebenan,
damit sie sich nicht aus den Augen verlieren. Maltes Mutter kauft beiden
ein Glas Apfelschorle, das sie austrinken, bevor es weiter geht.
Als Nächstes gehen sie in die Ställe, in denen viele Tiere untergebracht
sind. Bei den Schweinekoben angekommen, hält sich Niklas die Nase
zu. "Puh, hier stinkt es aber", sagt er.
"Im Schweinestall riecht es nie wie in einer Parfümerie."
Maltes Mutter amüsiert sich über Niklas entsetzten Gesichtsausdruck.
In dem Koben gibt es eine große Überraschung. Die dicke Sau
liegt dort zufrieden im Stroh. Um sie herum wuseln acht winzige Ferkel.
"Sind die niedlich!", ruft Malte.
"Die sind bestimmt erst ein paar Tage alt", sagt seine Mutter.
In dem Stall daneben sind sonst die Ziegen untergebracht. Heute ist der
Stall jedoch leer. Die Jungen blicken sich um und entdecken sie auf einer
entfernt gelegenen Weide.
"Ziegen mag ich nicht so gerne", sagt Niklas. "Die riechen
noch schlimmer. Wollen wir jetzt zu den Kaninchen gehen?"
Malte folgt ihm. Auch in den Kaninchenställen hat es Nachwuchs gegeben.
Winzig kleine Tierbabys sind in den Ecken versteckt, so dass die Jungen
sie kaum erkennen können. In einem einzelnen Stall wohnt ein schwarzer
Hase.
"Das ist ein Weibchen", sagt Maltes Mutter. "Sie bekommt
in den nächsten Tagen sicher auch ihre Babys. Wenn wir das nächste
Mal wieder hier sind, könnt ihr nach ihnen sehen."
Eine Menge Spaß macht es den Jungs, in diesem Park zu sein. So viel
gibt es zu sehen. Das nächste Ziel ihres Ausfluges ist der kleine
See. Er liegt etwas abgelegen inmitten von Büschen. Auch am Wasser
gibt es Nachwuchs.
"Oh, wie niedlich. Entenküken", ruft Malte.
Allerliebst sehen die Küken aus. Vorsichtig gehen die Jungen näher.
Die Enten haben keine Angst. Der Entenvater allerdings behält die
beiden Menschenjungen im Auge, damit sie nur nicht zu nahe an die gelben
Wollknäuel herankommen.
Als sie weitergehen, sehen die drei einen kleinen Menschenauflauf.
"Was mag dort los sein?", fragt Maltes Mutter.
Neugierig nähern sie sich der Menschengruppe. Vor dem Meerschweinchendorf
haben sich kleine und große Besucher versammelt. Ein Mädchen
mit einer Pappschachtel geht an ihnen vorbei. Es strahlt übers ganze
Gesicht.
Jetzt fällt es Maltes Mutter wieder ein: "Da haben wir aber
Glück, Malte. Heute ist wieder der Samstag im Frühling, an dem
die Meerschweinchenbabys verschenkt werden."
Malte boxt vor Freude in die Luft.
"Wieso verschenkt?", fragt Niklas.
"Weißt du das gar nicht? Meistens haben die Meerschweinchen
so viel Nachwuchs, dass die Tierpfleger sie am letzten Märztag verschenken."
"Mama, du hast mir versprochen, dass ich dieses Mal eins bekommen
kann", bettelt Malte.
Seine Mutter hat das nicht vergessen. Als nur noch wenige Leute bei dem
Meerschweinchendorf sind, gehen die drei zu dem Mann, der die kleinen
Tierchen in Pappkartons steckt.
"Haben Sie noch ein Baby?", fragt Malte.
"Ja, möchtest du eins? Und dein Freund doch sicherlich auch?
Ihr seid schon groß und könnt euch gewiss sehr gut um ein Tier
kümmern." Fragend schaut er Maltes Mutter an.
Niklas wird ganz rot vor Freude. "Ich darf auch eins haben? Das ist
ja toll." Ihm fällt ein, dass seine Eltern strikt gegen ein
Haustier sind. Doch daran möchte er jetzt lieber nicht denken.
Der nette Tierpfleger nimmt ein graues und ein weißes der kleinen
piepsenden Babys und setzt jeweils eines in einen durchlöcherten
Pappkarton. Diese verschließt er vorsichtig und reicht sie Malte
und Niklas. Die freuen sich sehr und bedanken sich voller Eifer.
"Dann wollen wir jetzt einen Käfig besorgen, damit unser neuer
Mitbewohner ein schönes Nestchen bekommt", erklärt Maltes
Mutter und gemeinsam verabschieden sie sich von dem Mann.
Im Auto nehmen Niklas und Malte die Schachteln vorsichtig auf den Schoß.
"Mama, fahr bitte nicht so schnell. Sonst hat mein Meerschweinchen
bestimmt Angst", ruft Malte vom Rücksitz.
"Ich werde mir Mühe geben." Seine Mutter schmunzelt noch
immer, als sie los fährt.
Unterwegs halten sie an einem Baumarkt, in dem es auch eine Zooabteilung
gibt. Malte sucht sich einen großen Käfig für seinen Schützling
aus. Auch an Streu, Futter und Wasserflasche denkt er. Ein wenig betreten
steht Niklas daneben.
"Was hast du denn, Niklas?", fragt Maltes Mutter.
"Ich weiß gar nicht, ob ich das Meerschweinchen mit nach Hause
nehmen darf", antwortet er leise. "Meine Eltern möchten
nicht, dass ich ein Haustier habe. Sie meinen, ich bin noch zu jung, um
Verantwortung zu übernehmen."
"Das ist aber dumm", sagt Malte. "Was machen wir dann mit
dem zweiten Meerschweinchen, Mama?"
Die Mutter überlegt. "Ich weiß, wie wir's machen. Wir
setzen sie vorläufig zusammen in den Käfig. Sie sind noch klein,
sicherlich werden sie sich vertragen. Du kannst mit deinen Eltern reden.
Vielleicht darfst du doch ein Junges haben."
Das halten alle für eine gute Idee. Eifrig tragen sie die Einkäufe
zum Auto und fahren zu Maltes Elternhaus. Dort angekommen, bringen sie
alles ins Haus. Niklas schielt zum Nachbarhaus hinüber, doch er sieht
seine Eltern nicht.
Die beiden Jungen richten den Käfig für die Meerschweinchen
her und setzen die Tiere hinein.
"Schau mal, sie vertragen sich", sagt Malte zu Niklas.
Viel Spaß macht es beiden, den putzigen Kleinen zuzusehen.
Niklas hat sich für das weiße Meerschweinchen entschieden,
das er "Schneeflöckchen" getauft hat. Malte hat seinem
grauen den Namen "Pinky" gegeben.
"Darf ich wieder vorbeikommen und mit Schneeflöckchen spielen?
Ich bringe auch Futter mit", bettelt Niklas.
"Natürlich", sagt Maltes Mutter. "Aber bitte, sprich
mit deinen Eltern. Auf Dauer möchten wir nicht beide Tiere behalten."
Niklas verspricht es und bedankt sich für den schönen Vormittag.
"Tschüss, wir sehen uns dann morgen", sagt er und geht.
"Na, wie war's, mein Junge?", fragt seine Mama, als Niklas kommt.
"Es war so schön", antwortet er und erzählt aufgeregt
von seinen Erlebnissen. Doch er verschweigt, dass er ein Meerschweinchen
geschenkt bekommen hat. `Ein anderes Mal werde ich es ihr sagen`, denkt
er und schämt sich ein wenig.
In den nächsten Tagen geht er jeden Nachmittag nach dem Kindergarten
zu Malte. Er muss doch Schneeflöckchen begrüßen. Aus dem
Kühlschrank zu Hause nimmt er mal eine Möhre, mal ein Blättchen
vom grünen Salat mit. Schließlich braucht das Tierchen Futter.
Nach einigen Tagen fragt Maltes Mutter: "Wann nimmst du Schneeflöckchen
mit nach Hause? Hast du mit deinen Eltern gesprochen?"
"Äh, das ging noch nicht", antwortet Niklas und schaut
verlegen zur Seite. "Ich werde es aber bestimmt bald tun."
An diesem Abend fragt sein Papa: "Niklas, hast du eigentlich schon
deinen Wunschzettel gemalt? Dein Geburtstag ist doch bereits in drei Wochen."
"Das brauche ich nicht, Papa. Ich habe nur einen einzigen Wunsch.
Aber wenn du möchtest, kann ich den auch malen. Das mache ich dann
nachher."
Nach dem Abendessen geht er ins Kinderzimmer und sucht seinen Malblock
und die Buntstifte. Niklas kann schon gut malen und auch ein paar Buchstaben
schreiben. Viel Mühe gibt er sich damit, auf ein gelbes Blatt Papier
mit Weiß ein wunderschönes Meerschweinchen zu malen. Unter
das Bild schreibt er: "Schneeflöckchen". Einen grünen
Baum malt er auch noch dazu und steckt ihn in einen Briefumschlag.
Beim Gutenachtsagen erzählt er seinen Eltern: "Ich habe meinen
Wunschzettel auf euren Nachtschrank gelegt. Ich möchte nur das, was
darauf gemalt ist. Wenn ich das nicht bekomme, möchte ich gar nichts."
Ganz traurig sieht er aus, als er das ausspricht.
Heute Abend schließt er sein Meerschweinchen tief in sein Nachtgebet
ein.
`Was man sich ganz doll wünscht, das geht auch in Erfüllung`,
denkt er, bevor er einschläft ...
***** E N D E *****
Nachsatz:
Den Park in dieser Geschichte gibt es wirklich. Das Meerschweinchendorf
ebenfalls. Frei erfunden ist, dass dort Meerschweinchenbabys verschenkt
werden. Auch die Personen entstammen meiner Fantasie.
© Karin
Ernst
Bild: ©
Karin Scholles
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