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Ein nettes Erlebnis in der Straßenbahn Als ich die Praxis unseres Hausarztes gegen Mittag verlasse, ist mir zum Lächeln zumute. Das endgültige Untersuchungsergebnis, das ich heute erhielt, ist doch nicht so schlimm, wie ich befürchtete. Nun habe ich, mit zeitweiliger Unterstützung einer halben Tablette, es selbst in der Hand, ob ich von der neuen Krankheit geheilt werde oder nicht. Beschwingt mache ich mich auf den Weg zur Straßenbahn, die ich in der Ferne ankommen sehe. Als ich den Überweg überschritten habe, hält sie, so dass ich sofort einsteigen kann. Es ist eine alte Bahn, wo mir das Einsteigen über hohe Stufen schwer fällt. Ich setze mich unter Pusten auf einen Sitz direkt hinter dem Fahrer. "Hätten Sie doch etwas gesagt, junge Frau. Ich hätte Sie gerne hochgetragen", höre ich plötzlich seine Stimme. Er sieht mich freundlich an, ich werde rot, danke, und wir lachen beide. Ein sympathischer Mensch, denke ich und freue mich, dass ich diese Bahn erwischt habe. Ein paar Haltestellen weiter steigt eine alte Frau ein. Ein weißlockiger Kopf ziert die kleine, zarte Person. Und wenn ihre Kleider auch aus besseren Zeiten stammen, sieht sie doch gepflegt aus. Verarbeitete Hände umklammern eine alte, zerschlissene Handtasche. Der Fahrer schließt hinter ihr die Tür, bittet sie, sich zu setzen. Sie aber sagt mit leiser Stimme: "Ich muss zur Haltestelle Soundso. Würden Sie mich mitnehmen? Ich kann eine Fahrkarte aber nicht bezahlen." Die Haltestelle, die genannt wird, liegt fast am Ende der Fahrtstrecke. Der Fahrer ist inzwischen angefahren, überlegt einen Moment und antwortet: "Gerne nehme ich Sie eine Haltestelle mit. Dann müssen Sie aber leider aussteigen. Ich komme in Teufels Küche, wenn ich Sie kostenlos befördere." Die Frau hat inzwischen einen Platz gefunden. "Das verstehe ich ja. Aber ich bin doch alt, und so weite Wege traue ich mir nicht mehr zu", höre ich die kaum verständliche Antwort. "Obwohl ich sonst fast immer noch zu Fuß gehe", fügt sie hinzu. In der Bahn ist es ganz still geworden. Bestimmt hat fast jeder Fahrgast die Frau einsteigen sehen und gehört, was sie gesprochen hat. Verstohlen möchte ich mein Portemonnaie zücken, um eine Fahrtkarte für die alte Dame, die mich sehr an meine verstorbene Großmutter erinnert, zu lösen, als mir der Fahrer fast unmerklich verneinend zunickt. Plötzlich vernehme ich seine freundliche Stimme aus dem Mikrofon: "Was machen wir denn nun? Woll'n wir sie mitfahren lassen?" Durch die Bahn schallt ein einstimmiges deutliches "Ja". Die kleine Frau und ich wechseln einen glücklichen Blick. Und alle anderen Fahrgäste haben gelächelt
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