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Ein Tag voller Gegensätze Verschlafen sehe ich auf die Uhr: Halb Sechs. Für einen Sonntagmorgen zu früh um aufzustehen. Ich kuschele mich nochmals in mein Bett, umarme mein Bärchen und schlafe tatsächlich wieder ein. Als ich um viertel vor 8 erneut wach werde, drückt mich irgendetwas im Rücken. Der Teddy ist verrutscht, doch nehme ich es ihm nicht übel. Irgendwie fühle ich mich heute anders und überlege, was es sein könnte. Dann fällt es mir ein: Seit Wochen, wenn nicht seit Monaten, habe ich endlich mal wieder richtig gut geschlafen. Obwohl abends der Vollmond ein herrliches Bild am Himmel abgab, hat er mich nicht geärgert. Wohlig räkele und strecke ich mich, um heute mal nicht in den Tag zu stolpern, sondern langsam und genüsslich aufzustehen. Das Aufwachen fühlt sich so gut an, dass ich beinah walzerleicht mein Frühstück zubereite. Und ruft das passende Totensonntagwetter mich auch nicht hinaus, harre ich doch erwartungsvoll der Dinge, die sich heute ergeben können. Doch gen Mittag wird meine gute Laune gebremst. Ein Freund ist gekommen, um ein Virenschutz-Update auf meinem Computer vorzunehmen. Zuerst finde ich mein Passwort nicht, einige technische Dinge funktionieren ebenfalls nicht sofort, und bis wir richtig loslegen können, sind wir beide kribbelig. Mist-Computer, denke ich und bin betrübt, weil die Gutenmorgenlaune sich langsam aber sicher verflüchtigt. Als nach Stunden die endgültige Systemüberprüfung durchläuft, geht diese nicht voran, wird durch irgendetwas blockiert. Wir entscheiden uns für eine Pause. Er fährt erst wieder nach Hause, und ich beschäftige mich anderweitig. Später will mein Helfer wiederkommen, und wir wollen die Systemprüfung erneut starten. Der Computer kann, ebenso wie wir beide, etwas Ruhe gebrauchen. Kein Anruf kommt, nach Mails kann ich nicht schauen, Traurigkeit will erneut von mir Besitz ergreifen. Doch es kommt ganz anders Irgendwann klingelt das Telefon, und erwartungsvoll melde ich mich. Eine fremde Frau nennt ihren Namen, ich höre zu, und plötzlich strahle ich übers ganze Gesicht. In mir ist eine so große Freude, dass ich es gar nicht fassen kann. Als das Gespräch beendet ist, ist meine gute Stimmung wieder hergestellt. Vor vielen Wochen gab mir eine Bekannte den Tipp, ich könne meine Kindergeschichten vielleicht in der Lesestunde einer Kirchenbibliothek oder eines Kindergartens vorlesen. Ich schenkte ihr meine Visitenkarte, die sie an die Leiterin einer Bücherei weitergeben wollte. Da nichts passierte, vergaß ich die Angelegenheit. Heute nun bekomme ich die Einladung, am kommenden Samstag (um 11 Uhr) für eine Stunde in einer Kindergruppe vorzulesen. Als ich meine selbst geschriebenen Kindergeschichten erwähne, erhalte ich selbstverständlich die Erlaubnis, diese vorzutragen. Auch wird eines meiner Bücher in den Bestand der Kinderbibliothek aufgenommen. Spontan rufe ich die Bekannte an, um ihr die frohe Nachricht mitzuteilen. "Siehst du", sagt sie lachend, "Geduld zahlt sich aus. Immer!" Sie freut sich mit mir und verspricht, mit ihrer kleinen Tochter der Vorlesung beizuwohnen. Als sollte es so sein, klappt die Virenschutzprüfung an meinem Computer beim nächsten Versuch sofort, so dass die Installation in Kürze einwandfrei abgeschlossen ist. Zwar hat mein Helferfreund viel seiner eigenen Zeit verloren, doch haben wir uns miteinander gefreut, dass letztendlich doch noch alles wunderbar geklappt hat. Wir verabschieden uns mit einem Lächeln, und vergessen ist die anfängliche Nervosität. Für abends nehme ich mir vor, meine Zufriedenheit weiter auszubauen. Bisher habe ich mich nie getraut, allein ein Wannenbad zu nehmen. Doch heute möchte ich es versuchen. Ich werde Handtücher bereit legen, eine rutschfeste Matte ist vorhanden, die Heizung wird angestellt. Die Vorstellung, wie in manchen Fernsehfilmen, angezündete Kerzen auf den Badewannenrand zu stellen, verwerfe ich wieder. Das ist mir doch zu gefährlich. Allerdings bin ich gespannt darauf, einen Badezusatz auszuprobieren, den ich spontan gekauft habe. Wegen einer Duftallergie verwende ich nur parfumfreie Produkte. Heute allerdings werde ich mir wenige Spritzer eines Badeöls mit Wildrosenduft gönnen. Und wenn ich beim Aussteigen aus der Wanne auch vorsichtig sein muss, weiß ich doch, dass ich mir später sagen kann: "Ich habe mich getraut, etwas Neues auszuprobieren". Die Vorfreude gefällt mir. Und mein Tag mit positiven und negativen Ereignissen endet remis.
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