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Erster Juli Nullacht
Heute ist der erste Tag im neuen Quartal. Ich mache mich auf den Weg zu meinem Hausarzt. Die Odyssee am Quartalsanfang beginnt Ich zahle 10 Euro, gebe meine Krankenkassenkarte hin und erhalte die bestellten Überweisungen zu zwei Ärzten. Immer das gleiche Ritual. Als ich anschließend die nahegelegene Apotheke verlasse, wo ich ein Rezept eingelöst habe und in der es angenehm kühl war, schlägt mir eine Hitzewelle entgegen. Über 30 Grad! Mit der Straßenbahn fahre ich daher zu meinem Lieblingseiscafe. Heute lechze ich geradezu nach einem Eiskaffee. In der Bahn Affenhitze, doch finde ich einen Schattenplatz, habe auch nur drei Stationen zu fahren. Die Haltestelle befindet sich genau gegenüber dem Eisladen. Als ich aussteige, wundere ich mich, wie viele Menschen um diese frühe Nachmittagszeit bereits auf der Terrasse sitzen. Selbst bekannte Gesichter. Doch als ich den Laden betrete, finde ich die Erklärung und muss schmunzeln. Wir schreiben den 1. Juli Zweitausendacht. Ein denkwürdiges Datum! Eine neue Ära beginnt. Die des Qualmverbotes Ab heute gilt ein Gesetz, dass in Gaststätten nicht mehr geraucht werden darf. Der Laden ist gähnend leer, so dass ich mich auf meinen Lieblingsplatz setzen kann. Der Besitzer lächelt und macht eine einladende Handbewegung: "Du hast die freie Auswahl." An der Theke stehen Aschenbecher wie immer aufgestapelt. Da draußen weiter geraucht werden darf, sind sie vonnöten. Ich schaue durchs Fenster und sehe viele Kunden, die sich einen Glimmstängel angezündet haben. Für viele wird es eine Umstellung werden. Denn ich überlege, wie es wohl bei Regenwetter gehandhabt wird. Der Inhaber selbst ist Nichtraucher und wird keine Geldbuße riskieren. Also wird er sich strikt an die Gesetzesvorgabe halten. Als ich später von meiner Zeitschrift aufblicke, stelle ich fest, dass der Raum sich inzwischen gefüllt hat. Viele Gäste, die bei diesem herrlichen Sommerwetter bestimmt lieber auf der Terrasse ihren Eisbecher genießen würden, müssen auf den Innenraum ausweichen. Denn die Sitzplätze im Freien sind heute hauptsächlich den Rauchern vorbehalten. Wie schnell sich so etwas regelt! Später höre ich im Radio, dass übermorgen das schöne Wetter in Regen übergehen soll. Nun, da bin ich mal gespannt, ob vor der Tür des Eiscafes dann ein Menschenauflauf zu sehen sein wird. Denn ihre Zigaretten dürfen sich die Gäste auch bei schlechtem Wetter nicht mehr drinnen anstecken. Als Nichtraucherin amüsiere ich mich köstlich, wenn ich mir vorstelle, wie es erst in der Innenstadt oder der Altstadt aussehen mag. Menschenmassen vor den Kneipen, Restaurants und Gaststätten? Ich werde die Augen offen halten... Und bin jetzt schon davon überzeugt, dass irgendwann viele Wirte die Augen zudrücken werden, um ihre Gäste nicht zu verlieren. Na ja, trotzdem tun sie mir auch ein bisschen Leid. Die armen Raucher. Wenn ich sie mir im Winter vorstelle Ob in den nächsten Tagen nun eventuell die Apotheken vermehrt Umsatz machen? Es gibt doch allerlei Unterstützungsmittel zur Raucherentwöhnung
(01. Juli 2008)
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