| Es
ist nicht schwer, sich zu freuen!
Seit drei Tagen quält mich nun eine Erkältung. Sie begann mit heftigen Halsschmerzen, gegen die ich fleißig angurgele. Trotzdem kam ein Schnupfen hinzu. Zu meinen verschiedenen Dauerbeschwerden natürlich ein weiteres Problem, aber was soll ich machen? Wegzaubern kann ich das Übel nicht. Krame Nasenspray aus dem Schrank, schaue aufs Etikett. Nein, sie sind noch nicht abgelaufen. Denn die letzte Erkältung ist schon eine Weile her. Dann Umckaloabo - ein Mittel, vor langer Zeit als Empfehlung in der Apotheke gekauft, schwer aussprechbar, und doch helfen diese Tropfen, dass Erkältungsbeschwerden milder verlaufen. Ich freue mich, dass noch ein Fläschchen vorhanden ist. Damit, und mit einem Berg frischgebügelter Herrentaschentücher meines Mannes bin ich gut gewappnet. Fühlt sich mein Kopf auch an wie in einem Vakuum, mit Druck auf den Ohren und trockenen Schleimhäuten, nehme ich mir tapfer vor, die Situation lässig anzugehen. Schließlich habe ich nicht die Grippe (von der viele Menschen immer gleich sprechen, wenn es sie "erwischt" hat) sondern einen grippalen Infekt. Außerdem weiß ich aus eigener Erfahrung, dass positives Denken sich unterstützend auf den Heilungsprozess auswirken kann. Denke einen Moment allerdings zaghaft darüber nach, ob dieser Zustand ein Zeichen meines Körpers sein könnte. Aber was will er mir sagen? Ich überlege, ob es irgendetwas gibt, weswegen ich "die Nase voll haben" könne. Mir fällt akut jedoch nichts ein. Auch nicht, dass ich an irgendetwas "schwer zu schlucken" habe. Quatsch, rufe ich mich innerlich zur Ordnung. Ich habe eine schlichte Erkältung. Kein Wunder bei dem umgeschlagenen Wetter von Goldoktoberwärme zu nasskaltem Novemberbeginn. Dazu waren im Bus die Fenster geöffnet, weil der Fahrer angeblich mal wieder die Heizung nicht abstellen konnte. Dagegen bin nicht nur ich empfindlich, auch andere Fahrgäste haben versucht sich zu beschweren. Keine Chance. Wie dem auch sei, es gibt keinen Grund Trübsal zu blasen. Also nehme ich mir das Gegenteil vor, nämlich: mich zu freuen. Was eigentlich so schwer nicht sein kann. Ich gehe in mich und überlege. Bis auf die Erkältung geht es mir gut. Ich bin glücklich durch nasses Laub gestapft, ohne zu rutschen, der Bus ist mir nicht vor der Nase weggefahren. Ich bin trocken hin und hergekommen, wegen des Windes warm eingemummelt, den neuen Wollhut schützend auf meinem Kopf. Und zwischendurch blinzelte zwischen grauen Wolken kurzzeitig sogar durch ein kleines Himmelblaufenster die Sonne hervor. Später wurde eine bestellte Buch- und CD-Bestellung geliefert, während ich zu Hause war, so dass die Sendung nicht bei der Post abzuholen ist. Eine Email kam an mit der Anfrage, ob jemand eine Auswahl meiner Gedichte auf eine Homepage nehmen dürfe. Gerne doch! Es überrascht mich immer wieder, wenn Fremde meine Texte finden und sie ihnen gefallen. Dazu konnte ich auf meiner eigenen Homepage ein lästiges Problem eigenständig lösen, was mich total zufriedengestellt hat. Mein Mann wünschte durchs Telefon gute Besserung und versprach, nach Feierabend frische Rosinenbrötchen mitzubringen. Wir mögen sie beide, und fast immer sind sie noch warm, wenn er sie auf seiner Heimfahrt besorgt. Also, wenn ich mir meine Liste so ansehe, kann ich doch wirklich behaupten: Es ist nicht schwer, sich zu freuen. Wir brauchen nur auf die kleinen Dinge in unserem Alltag zu schauen. Oder mit offenem Herzen durchs Leben zu gehen
(02. November 2005)
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