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Freitagmittag.
Inka wirft Handtasche und Schlüsselbund auf einen Wohnzimmerstuhl.
Endlich Feierabend. Wieder steht ihr ein langweiliges Wochenende bevor.
Manchmal hat sie das Singledasein doch satt. Vielleicht sollte sie sich
mal wieder auf die Suche begeben. Nach einem Mann. Ihr Blick fällt
auf den Kalender, der auf ihrem Schreibtisch liegt.
"Ach, du meine Güte", denkt sie.
"Ich habe heute einen Massagetermin. Wie konnte ich den vergessen?
Na ja, ich kann es gerade noch schaffen"
Inka läuft ins Schlafzimmer, schleudert die Pumps in die Ecke, schlüpft
aus ihrem Bürooutfit und zieht sich rasch etwas Sportliches über.
Jeans, T-Shirt, Turnschuhe.
"Wo habe ich nur?", fragt sie sich.
Findet Schlüssel und Handtasche auf dem Stuhl im Wohnzimmer, schnappt
sich beides und flitzt zur Tiefgarage. Rein in ihren Mini, gestartet und
los braust sie. Der Weg zur Praxis für Physiotherapie ist nicht weit.
Manchmal fährt sie mit dem Fahrrad, aber nun hat sie es eilig. Heute
ist ihr Glückstag, denn vor dem Praxiseingang erwischt sie direkt
einen freien Parkplatz.
Als sie die Praxisräume betritt, kommt ihr alles recht vertraut vor.
Viele Jahre lässt sie sich hier bereits behandeln. Als Sekretärin
hat sie häufig mit Verspannungen zu tun, so dass ihr die Behandlung
jedes Mal gut tut. Es ist eine große Praxis mit mehreren Räumen.
"Hallo", begrüßt sie die junge Frau an der Anmeldetheke.
"Puh, gerade noch geschafft", lacht sie.
"Ich hätte doch beinah den Termin heute vergessen".
"Na, nun sind Sie ja hier", antwortet die Mitarbeiterin und
legt Inka das Rezept hin.
Sie unterschreibt und sieht sich nach Gloria um. Gloria ist seit Jahren
ihre Behandlerin. Der Name Gloria klingt nach Zartheit, aber sie ist eine
kräftige, rothaarige Masseurin. Wie ihre Statur ist auch ihre Stimme.
Inka ist schon lange bei ihr in Behandlung. Sie haben sich beide aneinander
gewöhnt. Gloria nennt Inka gerne "ihr Kindchen".
"Ist Gloria nicht hier? Ich habe doch den Termin wie immer bei ihr",
fragt Inka.
"Nein, Gloria ist nicht mehr bei uns. Sie musste uns überraschend
verlassen. Ihre Mutter ist sehr krank geworden, und die Tochter möchte
gern ihre Pflege übernehmen".
"Schade", antwortet Inka, kann sich aber ein Schmunzeln nicht
verkneifen.
Eine neue Behandlerin zu bekommen, ist ihr ganz genehm. Denn Gloria hat
sie meistens recht hart rangenommen.
"Ist es Ihnen recht, dass Sie in Zukunft ein Masseur behandeln wird?",
wird Inka gefragt.
"Sie wissen, dass unsere Termine auf Wochen vorher ausgebucht sind,
und eine andere Kollegin war im Moment nicht frei".
Ein wenig ängstlich schaut die Mitarbeiterin Inka an, aber diese
nickt.
"Warum nicht?"
Dabei denkt sie:
"Schlimmer als Gloria kann ein Mann auch nicht massieren".
"Er hat einige Jahre in Indien gelebt", fügt die nette
Frau flüsternd hinzu.
"Dort gibt es wohl eine ganz gute Ausbildung".
In diesem Moment kommt ein Mann aus der letzten Kabine. Die junge Frau
stellt ihn vor. "Das ist Marius, unser neuer Masseur".
Ein kräftiger, dunkelgelockter Mann reicht Inka mit einem kurzen
Nicken eine Riesenhand. Sie sieht ihn überrascht an, denn er hat
einen unerwartet sanften Händedruck. Ihre Blicke begegnen sich für
einen kurzen Moment. Inka hat selten solche tiefblauen Augen gesehen.
Umgeben von buschigen Augenbrauen forscht er in ihrem Gesicht, dann wendet
er sich abrupt ab.
"Letzte Kabine", hört sie noch.
"Na, das kann ja heiter werden. Da komme ich wohl vom Regen in die
Traufe. Der ist genauso kräftig wie Gloria", überlegt Inka.
Auf dem Weg zur Kabine, die der neue Behandler ihr genannt hatte, seufzt
sie ein wenig.
"Ist ja auch egal. Ich bin nicht zu meinem Vergnügen hier, sondern
zu Fango und Massage gegen Verspannungen. Die Rippen wird er mir wohl
nicht gerade brechen".
Als sie die ihr unbekannte letzte Kabine betritt, sieht sie sich erstaunt
um. Der Raum hat nur ein kleines Fenster, so dass er beinah gemütlich
wirkt. Er scheint frisch renoviert worden zu sein, denn die Wände
sind pastellorange gestrichen. Sie erinnert sich, dass die Kabine, in
der sie bisher von Gloria massiert wurde, weiß gestrichen war. Auf
der Behandlungsliege liegt eine flauschige Wolldecke ausgebreitet, deren
Farbe mit den Wänden harmoniert. Auf einem winzigen Eckregal steht
ein kleiner CD-Player. Inka wundert sich. Gloria hielt nichts von Musik
während der Behandlung. Lieber hat sie sich mit ihrer Patientin unterhalten.
Musikberieselung wäre bei ihrem kräftigen Organ allerdings auch
untergegangen.
Sie setzt sich auf ein kleines Stühlchen, um sich, wie immer, auszuziehen.
T-Shirt über den Kopf, den BH hat sie vorsorglich zuhause gelassen.
Die Jeans streift sie nur ein wenig herunter, wie Gloria es ihr geraten
hatte.
"Nicht so viel Gedöns", waren ihre Worte.
"So genügt es, Mädelchen".
Inka muss lächeln, wenn sie sich Gloria vorstellt.
"Ich werde ihr einen Brief schreiben".
Auf der Wolldecke liegt ein blitzsauberes weißes Laken ausgebreitet.
Eingedeckt nannte Gloria die auf solche Weise vorbereitete Behandlungsliege,
auf die Inka sich jetzt vorsichtig setzt. Sie überlegt, ob sie jemals
von einem Mann massiert wurde, kann sich aber nicht erinnern. Ein wenig
peinlich erscheint es ihr, sich halbnackt zu präsentieren.
In diesem Moment öffnet sich leise die Tür. Als trüge er
nur ein leichtes Handtuch, betritt Marius mit der schweren Fangopackung
auf dem Arm den kleinen Raum. Er legt sie körpergerecht auf das Laken,
dann schaut er an Inka herab.
"So geht das nicht. Bitte die Jeans auch ausziehen. Sie sollen sich
doch richtig entspannen. Der harte Stoff engt zu sehr ein. Außerdem
wäre es doch schade, wenn sie naßgeschwitzt würde".
Inka stutzt, zieht aber brav die Jeans über ihre Beine, so dass sie
nur mit einem kleinen Slip bekleidet vor ihm steht. Marius hatte sich
respektvoll zur Seite gedreht. Sekundenlang sieht er sie jetzt an, dann
bittet er Inka, sich auf die Kante der Liege zu setzen. Als sie sich auf
die Fangopackung zurückbeugen will, bittet Marius:
"Alles andere überlassen Sie mir".
Er hat eine leise, beinah einschmeichelnde Stimme.
Marius nimmt Inkas Kopf und legt ihn vorsichtig zur Seite. Nun biegt er
ihren Oberkörper so, dass er sie beinah in seinen Armen hält.
Sachte lässt er sie auf die Fango gleiten. Die schwarze Masse hat
erstaunlicherweise die richtige Temperatur, so dass Inka sich nicht erschrickt.
Gloria nahm das nicht so genau. War Inka die Packung mal zu heiß,
legte sie ihr einen nassen Lappen dazwischen. An erneutes Erschrecken
erinnert sich Inka gut.
Heute ist es völlig anders. Marius nimmt ihre Beine und hebt sie
vorsichtig auf die Liege. Leicht gespreizt legt er sie ab. Sie fühlt
sich weich und kuschelig warm gebettet. Mit sanftem Druck biegt er ihre
Schultern in richtige Position und streift die Kanten der biegsamen Fangopackung
an ihrem Körper fest. Zart berührt er dabei ihre Brüste.
Wie aus Versehen kommt es ihr vor, jagt ihr dennoch einen angenehmen Schauer
durch und durch. Er sieht Inka noch einmal an. Sein Blick bleibt an ihrem
Slip hängen. Wie in Zeitlupe fasst er die Kanten und streift ihn
noch ein wenig mehr nach unten.
"Damit der Stoff nicht feucht wird", erklärt Marius.
Nun wird sie mit dem Rest des Lakens zugedeckt. Von den Beinen bis nach
oben. Inka möchte die Arme anheben, weil Gloria sie immer auf die
Decke gelegt hat.
"Ich wickele die Arme mit ein, damit Sie völlig durchwärmt
und damit gut entspannt sein können", lächelt Marius ihr
zu.
Seine sanfte Stimme tut ihr gut. Nacheinander nimmt er ihre beiden Arme
und legt sie neben ihren Körper. Seine Finger berühren dabei
federleicht ihre Haut, so dass sie denkt, es seien kleine elektrische
Schläge. Den Rest des Lakenstoffes steckt er am Brustbereich fest.
Locker, damit nichts drückt, erklärt er ihr.
In Inka hat sich eine Erregung ausgebreitet, die sie sich nicht erklären
kann. Als er das letzte Stückchen Laken festknoten will, streift
er wieder sanft ihre Brüste, so dass sich ihre Brustwarzen aufrichten.
Sie schaut ihm in die Augen, aber ihm scheint nichts peinlich zu sein.
"Mögen Sie Musik?", fragt er jetzt.
"Ja", haucht Inka nur.
"Noch mehr Entspannung", denkt sie, während Marius eine
CD einlegt.
Fremde Klänge dringen wie von weit her zu ihr.
"Das ist indische Musik. Bitte entspannen Sie völlig. In 15
Minuten bin ich wieder bei Ihnen", flüstert er und verlässt
geräuschlos den Raum.
Inka weiß gar nicht, wie ihr geschieht.
"Was passiert hier?", fragt sie sich.
Fango und Massage kannte sie bisher anders. Nie hat sie dieses herrliche,
innige Gefühl dabei empfunden, das ihr dieser fremde Mann, der eigentlich
wie ein Holzklotz wirkt, mit seiner Sanftheit vermittelt. Sie seufzt und
gibt sich völlig der neuen Wohligkeit hin. Musik dringt bis in ihr
Inneres, so dass sie vor Lust aufseufzt. Sie gleitet in einen sinnlich-entspannten
Halbschlaf.
Nach einer Viertelstunde öffnet Marius leise die Tür. Inka hält
ihre Augen geschlossen. Kaum merklich nähert er sich ihr und beginnt,
sie aus den Tüchern zu schälen. Wie Streicheleinheiten kommen
ihr seine Bewegungen vor. Vorsichtig hebt er ihren Kopf an, danach voller
Kraft und doch zart mit einer Hand ihren Oberkörper. Mit der anderen
Hand rollt er die Fangopackung zusammen, lässt Inka sanft zurück
auf das Laken gleiten. Sie lässt es einfach geschehen, was diese
Hände mit ihr anstellen. Kaum nimmt sie wahr, dass er den Raum verlässt,
um die Fangopackung hinauszubringen. In Sekunden ist er zurück.
Sie rechnet jetzt damit, dass er, wie sonst Gloria, das harte Laken nimmt,
um ihr den Schweiß vom Rücken abzuwischen. Marius aber bringt
ein Frotteehandtuch mit und beginnt, Inka abzutrocknen. Nicht grob, wie
sie's von Gloria mit dem Laken gewohnt ist. Nein, weich und zart spürt
sie den angenehmen Stoff zuerst auf ihrem Rücken bis zu den Lenden.
Dann trocknet er ihre Stirn, das Gesicht und den Hals ab. Alles geht ihm
rasch von der Hand, und doch scheint ihr Atem schneller zu gehen. Vom
Halsansatz fährt er mit dem Handtuch sanft unter ihre Brüste,
den Bauch abwärts. Keiner spricht ein Wort. Inka lauscht auf ihrer
beider Atem, im Hintergrund läuft weiter die fremdländische,
einschmeichelnde Musik. Wie im Takt bewegt Marius das Handtuch, bis er
an ihrem Slip angelangt ist.
"War doch gut, dass nichts nass geworden ist, nicht wahr?",
fragt er lächelnd.
Inka kann nur nicken.
Plötzlich rollt er sie mit einer Drehung zurück auf den Bauch.
So leicht, dass sie keine Angst hat, herunter zu fallen. Er dreht das
Handtuch zu einer Rolle und legt es ihr unter den Bauch. "So können
Sie sich im Beckenbereich besser entspannen", spricht er zu ihr.
"Dort sitzen bei Frauen die meisten Verspannungen".
Er legt ihre Beine noch ein wenig anders hin, so dass sie locker gespreizt,
aber entspannt auf der Liege ruhen. Unter die Füße legt er
eine Rolle. Die Arme hängt er nicht, wie sie es von Gloria kennt,
an der Liege nach unten, sondern legt sie neben ihren Körper. Wieder
berührt er, wie unbeabsichtigt, dabei ihre Brüste. Wie zartes
Streicheln empfindet sie es.
Während ihr neuer Therapeut mit der Massagebehandlung beginnt, ist
sie so entspannt, wie sie es noch nie erlebt hat. 'Das kann ja nur gut
werden', denkt sie, als seine Hände beginnen.
Als sie sich am Ende der Behandlung wieder anziehen will, sieht sie ein
kleines Visitenkärtchen auf ihrer Kleidung liegen. Sie nimmt es in
die Hand und liest:
Marius W.
staatl. gepr. Masseur
Zusatzausbildung in klassischer indischer Massage
-Auch Hausbesuche-
Telefon-Nr. ....
Nachdem sie sich angekleidet und ihre Haare gekämmt hat, verlässt
sie entspannt die letzte Kabine.
Bei der Anmeldung wird sie noch gefragt:
"Sind Sie damit einverstanden, dass wir Ihre weiteren Termine für
die nächsten Behandlungen ebenfalls bei Marius eintragen?"
Träumerisch lächelnd antwortet Inka:
"Aber bitte. Sehr gerne".
***** E N D E *****
© Karin Ernst
Bild: ©
Karin Scholles:
"Ich wollt
hier nicht zeigen wie jemand massiert wird, sondern ich wollt ausdrücken,
wie ich mir vorstelle, dass "Frau" sich fühlt bei dieser
klassischen indischen Technik.
Dein Yin und Yang Bild hat mich hier inspiriert.
Das Zusammenwirken der Elemente Luft, Wasser, Erde und Feuer, die über
die Frau einwirken als sanftes Streicheln (Luft), wohlige Wärme (Feuer),
die erotische Erregung (Wasserwoge) und das gewonne Selbstbewusstsein
(Erde).
Die Punkte im Yin und Yang Zeichen sind Mond und
Sonne."
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