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Faszination
Wolle
Vor kurzem erhielt ich ein liebes kleines Geschenk. So etwas Niedliches, wie dieses Paar Söckchen im Miniformat, sah ich selten. Die Strümpfchen hängen an einem Schlüsselring, mit dem sie zur Dekoration überall befestigt werden können.
Als ich diese Handarbeit beinah zärtlich streichelte, überkam mich erneut ein beinah sinnliches Verlangen, das vielleicht einige Leserinnen verstehen können. Wenn männliche Leser vermutlich auch eher lächeln werden, weil sie das Gefühl nicht kennen. Das Verlangen nach Wolle. Viele Jahre lang hatte ich sehr gerne gehandarbeitet. Neben Nähen und Patchwork faszinierte mich Stricken und Häkeln, das zu meiner fast täglichen Beschäftigung gehörte. Das Klappern der Nadeln beruhigte mich, und wenn ich am Schluss der Arbeit zum Beispiel einen Pullover für eine meiner Töchter in Händen hielt, war ich zufrieden. Aus gesundheitlichen Gründen kann ich dieses Hobby bereits seit einigen Jahren nicht mehr ausüben. Jedenfalls sollte ich es tunlichst vermeiden, um Schultern, Nacken und Arme nicht zu überstrapazieren. Und doch erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich mich nach Nadeln und Wollknäueln regelrecht sehne. Wenn ich in einem Kaufhaus in die Nähe der Handarbeitsabteilung gelange, kann ich nicht wiederstehen. Dieses Material "Wolle" fasziniert mich ständig von neuem, und jedes Mal überlege ich, mit einer Handarbeit zu beginnen. Ich greife in Tische voller Baumwolle, Mohair, Viskose oder Strumpfwolle. Überlege, ob ich stricken oder häkeln möchte. Bekomme leuchtende Augen bei der Vorstellung, vielleicht mal wieder ein dreieckiges Schultertuch zu häkeln, das ich sehr mag und früher häufig verschenkt habe. Solch ein Tuch ist heute wieder total "In". Dennoch rufe ich mich nach einer Weile wieder zur Räson. Nein! Jetzt liebe ich die Wolle, würde auch welche kaufen. Wenn ich dann aber mit dem Häkeln anfinge, würden schnell Armbeschwerden auftreten, die mir die Lust verleiden. Auch erinnere ich mich daran, dass ich vor nicht allzu langer Zeit meine sämtlichen Strick- und Häkelnadeln verschenkt habe. Endgültig. In dem festen Vorhaben, keine neue Handarbeit je wieder anzufangen. Obwohl ich keine Nadeln mehr besitze, ist es vorgekommen, dass ich ein Knäuel Wolle -oder auch mehrere- gekauft habe, weil ich handarbeiten wollte. Zu Hause lachte ich dann, denn mir fehlte das notwendige Handwerkzeug. Die Wolle habe ich dann entweder verschenkt oder, wenn ich den Bon aufbewahrt hatte, ins Geschäft zurück gebracht. Das Thema sollte damit endgültig erledigt sein. Eine Mailfreundin von mir wird bald Großmutter. Sie schickte mir heute ein Foto, auf dem winzige handgestrickte Babyschühchen zu erkennen sind. Eine allerliebste Handarbeit. Sofort bekam ich wieder diesen Glanz in den Augen und ein Lächeln überzog mein Gesicht. Auch entwickelte sich in meinem Inneren sofort erneut die Faszination, die Handarbeiten und Wolle auf mich ausüben. Wie gerne würde ich mal wieder etwas Derartiges in Händen halten. Vielleicht sollte ich das Thema doch noch einmal neu überdenken
(27. Februar 2006)
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