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Gedanken zur Genesung
Ein wunderbarer Morgen! Nein, die Sonne scheint nicht. Grauweißwolken statt Sommerhimmelbau. Doch ich weiß, sie wird sich später noch trauen. Auch wenn es nicht besonders warm ist, genügen mir 20 Grad. Ich kann bronchienunbelastet durchatmen, nehme einen tiefen Zug der köstlich-reinen Luft. Leichtfüßig (na ja!) und mit positivem Denkvermögen ausgestattet stürze ich mich in diesen neuen Tag. Neugierig, was das Leben mir heute zu bieten hat. Und habe ich auch einen Kampf verloren, so bin ich trotzdem bereit für einen neuen. Ich habe gehofft und gerungen, gehadert und geglaubt, gelacht und geweint (viel zu viel), geliebt und gelitten. Herzschmerz fast bis zum Atemstillstand. Jetzt erkenne ich, dass ich einfach akzeptieren muss, um zur Ruhe zu finden. "Liebe bedeutet Abwesenheit von Angst" - diesen Spruch fand ich in einem Buch. Meine Ängste werden nun verschwinden. Die Muschel hat sich fest geschlossen. Hatte das Leben (und ich) ihr auch geholfen, ihr Gehäuse ein wenig zu öffnen, schnappte sie doch immer wieder zu. Geborgenheit im Inneren gibt Schutz. Sich dem Leben draußen zu stellen bedeutet Verantwortung. Also zurück ins Meer (der Einsamkeit), ab in die Sicherheit. Sieht es momentan auch so aus, als habe ich verloren, kann ich doch nur gewinnen. Eine frische Denkweise, neue Möglichkeiten anzunehmen, die jeder Tag verspricht. Alleinsein ist nicht leicht, ein Abschied schwer zu verarbeiten. Verletzter Stolz will behandelt werden, Herz und Seele müssen genesen. Ich schmecke die erfrischende Luft - Odem der Gesundung. Wenn ich auch weiß, Kummer wird noch manches Mal quälen, wenn Erinnerungen mich übermannen, so werde ich doch nie die Hoffnung verlieren. Ich weiß, ich kann den Kampf neu aufnehmen, um mich wiederzufinden. Werde beginnen, das Chaos in meinem Leben zu ordnen, mich von Lasten befreien, Altbewährtes hervorkramen und Verschüttetes freischaufeln. Ich träume von nie endender Neugier, wünsche mir Mut (und Lust) zum Aufbruch. Und hoffe, dass mein Hunger nach Leben auch weiterhin bestehen bleibt. Auf in den Kampf! Fazit: Ich werde für meine Probleme eigene Lösungen finden. Das Schicksal mag sich vorerst raushalten. Allerdings wären ein paar Streuselchen Glück auch nicht schlecht! *** Nachsatz: Nach
dem Besuch beim Hausarzt möchte ich in der Bank nebenan einen Geldschein
wechseln. Bin ich dort auch keine Kundin, fragt mich der Mann hinter dem
Schalter: "Sie haben ein so nettes Lächeln. Wie schön!
Es scheint Ihnen gut zu gehen." Als ich die Bank verlasse, blinzelt ein bisschen Sonne zwischen den Wolken hervor. Ja, es wird!!
(04. Juli 2008)
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