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Gerümpel des Alltags Vor längerer Zeit entdeckte ich ein Buch mit dem Titel "Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags". Ich kaufte es damals, weil mein Mann und ich vorhatten, unsere gesamte Wohnung zu renovieren. Das Buch las ich voller Begeisterung, und es gab mir Ansporn, mich von vielen Sachen zu trennen. Als wir dann im Sommer letzten Jahres mit der Renovierung anfingen, wurde entrümpelt. Vieles, was jahrelang in verschiedenen Schränken lag, wurde kritisch begutachtet, und wir behielten es entweder, oder es kam in die Altkleidersammlung bzw. in Kartons, die zu verschenken waren. Nur wenige Teile waren reif für den Müll. Nach einigen Wochen erstrahlte unsere gesamte Wohnung in neuem Glanz. Mir gefiel alles, weil ich mich mit neuen Farben beschäftigt hatte, alles harmonierte. Es wurden weniger Dekorationsgegenstände aufgestellt ein ganz neuer Eindruck war entstanden. Warum musste mir grade heute der Buchtitel wieder einfallen? Und unsere Renovierung? Weil ich persönlich der Meinung war, wir gehörten nicht zu einer Wegwerfgesellschaft! Ich ging vormittags Richtung Bushaltestelle, als ich an einem Sperrmüllberg ankam. Alles war auseinandergerissen, ich konnte kaum vorbei. Viele verschiedene bunte Sachen, die eigentlich in den Restmüll gehörten, zogen meinen Blick an. Ich blieb stehen, um genauer hinzusehen. Neben einem defekten Fernseher, einem angeschlagenen Toilettenbecken und einem alten Kühlschrank sah ich einen Gartenstuhl, auf dem noch jemand hätte sitzen können. Es war kein kaputtes Teilchen dran zu erkennen. Warum werfen Leute so etwas weg, fragte ich mich empört und schaute mich weiter um. Die Matratzen, die ausrangiert worden waren, könnten gewiss noch einem Obdachlosenasyl gute Dienste leisten, denn ich sah nicht einen Fleck drauf. Auch waren sie nicht zerlegen. Vielleicht würde sich sogar manch Obdachloser für sein Bett unter einer Brücke darüber gefreut haben. Eingepackt in einem Originalkarton entdeckte ich eine Computertastatur. Es gäbe womöglich Jugendliche, die sich über so ein Teil freuen würden. Nicht alle haben das Geld, sich zu Anfang etwas Neues zu kaufen. Daneben stand ein Koffer, an dem nicht mal der Griff kaputt war. Sicher war er nicht mehr modisch genug, also weg damit. Allerdings konnte von diesen Dingen wohl auch niemand von denen, die solche Stapel durchwühlten, gebrauchen, was mich aufgrund des guten Zustandes wunderte. Auf dem Kühlschrank stand ein Paar Herrenschuhe. Jemand hatte sie wohl aus allen anderen Sachen hervorgeholt und festgestellt, sie passten ihm nicht. Gut erhaltene schwarze Lederschuhe, nicht mal die Schnürbänder waren zerrissen. Nichtsesshafte in der Stadt tragen manchmal gar keine oder total zerfetzte Schuhe. Mein Blick fiel danach auf einen Beutel, aus denen Buntes herauslugte. Ich dachte an Klamotten, es handelte sich aber um Stoffreste. Keine kleinen Schnipsel, die beim Zuschneiden übrig blieben, nein, größere Stücke, über die sich eine Hobbyschneiderin gewiss gefreut hätte. Ein Spitzenbordrest erkannte ich mittendrin, überlegte, ob ich die Tüte Ich ließ es, weil ich zum Bus musste, die angeschmutzte Tüte hätte tragen müssen. Dann aber wurde ich beinah wütend: Ich entdeckte einen Adventskalender. Ein wunderschönes, handgemachtes Stück aus Jutestoff mit Figuren aus Filz beklebt, die je ein Täschchen ergaben. Wie kann man so etwas wegwerfen, fragte ich mich kopfschüttelnd. Jemand hatte sich so viel Mühe gegeben, und nun liegt dieses (allerdings arg zerdrückte) Stück auf der Straße. Später tat es mir Leid, dass ich nicht wenigstens diese Handarbeit mitgenommen hatte. Kleine Spielzeugteile gab es auch, einzelne LEGO-Steine, Buntstifte und ein weißes Puppensöckchen. Wo war das andere geblieben? Und wo die Puppe, die nun barfuss irgendwo saß. Liebte die Puppenmutter ihr Kindchen noch? Diese Gedanken kamen mir, auch, dass selbst solch ein kleines Paar Puppensocken Geld gekostet hatte. Den Kopf voller Gedanken über diesen "Sperrmüll" machte ich mich auf den Weg zum Bus. Als ich nach Stunden den gleichen Fußweg entlang zurückging, sah ich bunte Reste auf dem Gehweg liegen. Zertretene Buntstifte, ein glitzerndes Stoffetwas, das wahrscheinlich zu einer Barbie-Puppe gehören könnte und anderes. Plötzlich aber lächelte ich doch, als ich etwas sah, nach dem ich mich nun bückte: Einen schmalen Pinsel, die feinen Härchen von einem Plastikhäubchen geschützt. Er hatte nur eine kleine Delle, ansonsten sah er neu aus. Ich steckte den Pinsel ein, weil ich jemanden kenne, die sich gewiss darüber freuen wird. Eine Mailfreundin, die eine begeisterte Hobbymalerin ist. Es war ein Markenartikel, bei dem ich mir vorstellen konnte, wie viel er gekostet haben musste. Irgendwann einmal.
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