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Lockt mich Spazieren gehen auch nicht unbedingt, gehe ich doch hinaus, um Sauerstoff zu tanken. Und siehe da, es ist eine gute Entscheidung. Muss ich auch einigen Pfützen ausweichen, ergibt sich doch ein freundliches Gespräch mit zwei Nachbarinnen, die ich lange nicht gesehen habe. Auch sie vermissen mich schon eine ganze Weile. Der Regen legt erfreulicherweise eine Pause ein. Auf dem Mittelstreifen der Straße, auf der ich mit dem Bus unterwegs bin, öffnen täglich mehr Osterglocken ihre Blüten. Bald werden es Hunderte sein. Gelbe Köpfchen, die sich inmitten ihres saftigen Grüns der Sonne entgegenrecken - herrliche Augenfreude. In der wohltuenden krankengymnastischen Behandlung bekomme ich zwei Empfehlungen, die meinem Herzen und der Seele gut tun. Meine Therapeutin erzählt mir von einem Buch, welches sie momentan liest und das sie vollkommen begeistert. Es geht um Träume, und ich erinnere mich, dass ich genau dieses Buch seit langem im Bücherregal stehen habe, wenn bislang auch ungelesen. Ich werde es mir später zu Hause sofort heraussuchen. Dann gibt sie mir einen Tipp gegen meine momentan verstärkten Schlafstörungen: Warme Milch mit frisch geriebener Muskatnuss. Bei der Vorstellung, Milch zu trinken, schüttelt es mich zwar (in Erinnerung an zuweilen Haut darauf), doch kann ich es auch mit warmem Wasser probieren. Denn die Kräuter- oder Gewürztees, die ich gerne trinke, können abends zu anregend sein. Diese werde ich mir also ab jetzt lieber nachmittags aufbrühen. Vielleicht schlafe ich heute Abend endlich mal besser, denn einen Versuch ist es allemal wert, und Muskatnuss mag ich. Zur Erholung nach der Physiotherapie gönne ich mir in einem der neuen amerikanischen Coffee-Shops ein sündhaftes Getränk: Kaffee mit Schokolade und Haselnusssirup, zusätzlich aufgepeppt mit einem Häubchen geschlagener Sahne. Kaloriengehalt vermutlich ähnlich einem Mittagessen. Trotzdem: Kleine Seelenaufmunterer dürfen ab und zu mal sein : Zumal man in diesem Laden rauchfrei sitzt und leise Hintergrundmusik nicht stört. Ich suche mir einen weichen Sessel in einer gemütlichen Ecke aus und hole mein mitgenommenes Buch hervor, das mich fesselt. Block und Stift liegen ebenfalls bereit, so dass ich eventuelle Gedanken sogleich zu Papier bringen kann. Nebenher zerstreut es mich, andere Gäste zu beobachten. (Über diese modernen Kaffeeläden werde ich ein anderes Mal schreiben). Als ich mich später auf den Weg zur Straßenbahn mache, schiebt der Wind die Wolken zur Seite, und ein strahlendes Blau kommt hervor, das nicht nur nachmittags weiterhin den Himmel schmückt, sondern auch die Sonne legt sich anständig ins Zeug. Na bitte! Betrachten wir ihn also mal positiv: Den ersten Tag des letzten Wintermonats und dennoch Frühlingsvorbote.
(01. März 2007)
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