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Als Verena morgens
aufwacht, sieht sie gleich aus dem Fenster.
"Mama, hast du gesehen? Es regnet schon wieder. Wenn alles nass ist,
macht es gar keinen Spaß, draußen zu spielen. Aber sieh mal,
der Regen bleibt sogar auf dem Gras liegen. Wie kleine Perlen sehen die
Tropfen aus." `Wenn man genau hinsieht`, denkt sie. `Ich kann sie
erkennen.`
"Ja, das Wetter könnte wirklich besser werden", antwortet
die Mutter. "Aber du kannst dich freuen. Heute Mittag kommt Tante
Alexandra zu Besuch. Sie bringt ihren Hund mit. Vielleicht gehen wir zusammen
zum Markt. Dort gibt es immer viel zu sehen."
"Au fein", jubelt Verena. Sie weiß, dass ihre Tante die
Schwester der Mutter ist. Fix ist sie jetzt in ihren Kleidern, um anschließend
zu frühstücken.
Nach dem Frühstück zieht Verena ihren Anorak an, Kapuze auf
und los geht's zum Kindergarten. Als sie mit ihrer Mutter durch den Garten
geht, sagt sie: "Sieh mal, Mama. Macht der Regen nicht wunderschöne
Farben auf das Gras? Die Tropfen bleiben darauf liegen, und alles schillert.
Blau und lila. Hübsch sieht das aus."
Mama lächelt und freut sich, dass ihre Tochter so viel Freude an
der Natur hat.
Mittags wird Verena von ihrer Tante im Kindergarten abgeholt. Ist das
eine Freude! Tante Alexandra hat ihre kleine Hündin mitgebracht.
Begeistert springt Cira an Verena hoch, als sie das Mädchen sieht.
"Nicht so doll. Du wirfst mich ja fast um. Tag, Tante Alexandra.
Schön, dass du mich abholst." Verena ist glücklich.
Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen. Vorsichtig lugt die Sonne
durch die Wolkendecke.
"Machst du wieder ein paar Fotos, wie sonst auch?", fragt Verena
ihre Tante.
"Aber ja. Du weißt doch, wie gerne ich fotografiere. Ich habe
eine Digitalkamera gekauft. Damit kann ich sehr schöne Fotos knipsen."
Verena weiß nicht, was eine Digitalkamera ist. Bisher hatte Tante
Alexandra einen Fotoapparat. Ihre Eltern haben eine Videokamera. Aber
zu Hause wird sie schon sehen, um was es sich handelt. Fröhlich hüpft
sie mit Cira neben der Tante her. Lustig schaukelt ihr Brottäschchen.
Daheim wartet Verenas Mutter schon mit dem Mittagessen. Alle lassen es
sich schmecken. Auf dem Esstisch steht ein hübscher bunter Blumenstrauß,
den der Besuch mitgebracht hat.
Nach dem Mittagessen räumt Mama die Küche auf, denn sie wollen
anschließend gemeinsam zum Wochenmarkt gehen.
"Zeigst du mir jetzt mal deine Dingsbums-Kamera?", fragt Verena
ihre Tante.
"Gerne. Ich wollte sie sowieso holen. Im Moment ist die Sonne auf
der Terrasse so günstig, da kann ich den Blumenstrauß fotografieren."
Ganz vorsichtig trägt Verena den Blumenstrauß nach draußen
und stellt ihn auf den Terrassentisch, während Tante Alexandra ihre
Kamera holt. Aber was bringt sie noch mit? Etwas Buntes hält sie
in der Hand.
Zuerst schaut sich das Mädchen die Digitalkamera an. "Ach, so
sieht die aus", stellt sie fest, "wie ein kleiner Fotoapparat."
Ihre Tante dekoriert ein buntes Seidentuch um die Blumenvase.
"Das sieht aber hübsch aus", freut sich Verena und schaut
zu, wie der Tisch mit Blumenstrauß und Tuch fotografiert wird. "Das
wird sicher ein hübsches Bild."
"Das hoffe ich doch." Tante Alexandra macht gleich noch ein
Foto von den Blumen.
Gemeinsam gehen sie danach auf Motivsuche durch den Garten.
"Guck mal, hier sind schöne gelbe Knospen." Verena hat
an der Kellertreppe einen Busch entdeckt. "Wie heißen diese
Blüten?", fragt sie.
"Das sind Forsythien", antwortet ihre Tante und knipst drauf
los.
Die Mutter ruft: "Wenn ihr soweit seid, können wir jetzt zum
Markt."
Sie ziehen ihre Jacken an. Verena nimmt Ciras Hundeleine und die drei
marschieren los.
Zum Markt können sie einen Wanderweg benutzen, so dass sie nicht
an der Straße entlang laufen müssen. Verena und Cira haben
viel Spaß, während Mama und ihre Schwester sich unterhalten.
Auf dem Weg kommen sie an einem Bach vorbei. Dort wachsen Büsche.
"Mama, sieh mal, es sieht aus, als ob die Sträucher aus dem
Wasser wachsen", ruft Verena. "Bekommen die auch noch Blätter,
wenn jetzt Frühling wird?"
"Wir wollen doch hoffen, dass sie sich vom Winter erholen",
antwortet Tante Alexandra und fotografiert die Pflanzen.
Sie gehen weiter. Verena wirft für Cira immer mal wieder ein Stöckchen,
dem die Hündin hinterher läuft. Viel Spaß macht ihr dieser
Spaziergang und immer wieder wundert sie sich, was alles wächst.
Im Wald sieht es viel schöner aus, als an der Straße. Plötzlich
läuft sie ein Stück voraus, weil sie etwas Buntes entdeckt hat.
"Mama, Tante Alexandra, seht nur", ruft sie.
An einem Baum wächst eine einzelne Krokusblüte. Als richtiger
Farbfleck kommt es aus der Rinde heraus.
Natürlich fotografiert Verenas Tante dieses hübsche Motiv sofort.
Immer wieder macht die Kamera "klick".
Aber was ist das? Beinahe erschrickt Verena. "Ich denke, Wespen gibt
es nur im Sommer", ruft sie.
Eine Wespe hat sich auf die Krokusblüte gesetzt. Schnell macht Tante
Alexandra auch hiervon ein Foto.
"Was man unterwegs alles entdecken kann", freut sich Verena.
Überall schaut sie, ob neue Blüten wachsen oder frisches Grün.
Nachdem sie wieder ein Stück gegangen sind, schnüffelt Cira
an etwas. Verena läuft zu ihr, um zu sehen, was sie gefunden hat.
Aus der Ferne sieht sie etwas Grünes schimmern. Vorsichtig geht sie
näher heran, denn Cira hat auch schon mal einen Igel aufgestöbert.
Grüne Igel gibt es doch nicht, denkt das Mädchen und wagt sich
weiter vor.
"Ist das hübsch. Schaut nur, ihr beiden", ruft sie.
Gleich hat Tante Alexandra ein neues Motiv zum Fotografieren. Durch ein
altes, trockenes Blatt wächst ein kleines, grünes Pflänzchen
hervor. Zart, aber frisch sieht es aus.
Voller Ereignisse ist der heutige Frühlingsspaziergang. Verena macht
es Spaß, neue Pflanzen zu entdecken, die Mama oder die Tante ihr
erklären können. Dazu Vogelgezwitscher. Sicher kommt bald auch
besseres Wetter, damit sie wieder häufiger draußen spielen
kann.
Endlich kommen sie am Markt an. Oh, was es hier alles zu sehen gibt! Tante
Alexandra macht bei den Blumenständen immer wieder Aufnahmen. Interessiert
schaut Verena zu, während Mama Obst und Gemüse einkauft.
"Sieh mal, Verena", ruft die Tante, "ich gehe jetzt mit
der Kamera ganz nah an die Blüte heran. Das gibt ein hübsches
Foto."
Darauf freut sich Verena jetzt schon.
Cira schnüffelt überall herum. Hier riecht es sehr verlockend.
Sie kaufen frische Möhren, die sie gleich aufessen. Ein wenig an
der Jeans abgewischt, das muss genügen.
"Hm, schmecken die gut", sagt Verena. "Wo sind die gewachsen?"
"Die Möhren kommen im Moment aus Italien", antwortet Mama.
"Hier ist noch nicht das richtige Wetter, darum wächst kein
Gemüse."
Verena will Cira ein Stückchen anbieten, aber Möhren mag sie
nicht.
An einem anderen Blumenstand fotografiert Tante Alexandra eine einzelne
gelbe Blüte.
"Diese Blume kenne ich", freut sich Verena. "Die heißt
Osterglocke." Ganz stolz ist sie, dass sie sich den Namen gemerkt
hat. Mama hatte vor kurzem der Erzieherin vom Kindergarten einen Osterglockenstrauß
gebracht. Daran erinnert sie sich nun.
"Seid ihr fertig mit dem Fotografieren?", fragt Mama. "Dann
können wir nach Hause gehen."
Verena trägt in ihrem Einkaufsbeutelchen ein Büschel Petersilie.
Eine bunte Primel im Blumentopf haben sie auch noch gekauft.
"Die wird ein Farbtupfer auf dem Balkontisch", sagt die Mama.
"Der Blumenstrauß kann nicht draußen bleiben. Dieses
Töpfchen übersteht auch schlechtes Wetter."
Verena schaut sich immer wieder eine Blüte an. Wie hübsch die
aussieht, auch von innen.
Zurück gehen sie wieder den Wanderweg entlang. Ein schöner Ausflug
war dieser Einkaufsspaziergang.
Zu Hause wird Kaffee getrunken. Verena bekommt Kakao. Mama hatte gestern
schon Kuchen gebacken. Richtig gemütlich machen es sich die drei.
"Ich möchte noch ein paar Fotos im Garten machen", sagt
Tante Alexandra später. "Kommst du mit hinaus?"
Verena lässt sich nicht zweimal bitten.
"Man sollte mit sehenden Augen durch die Natur gehen", sagt
die Tante zu Verena. "Dann erkennt man alles Schöne, das es
gibt. Mein Kind, ich freue mich darüber, dass du die erwachende Natur
siehst."
Wieder geht sie auf Motivsuche. Verena schaut sich auch überall um.
In einer geschützten Ecke an der Terrasse staunt sie. Zwischen Steinen
und einem dicken Balken wächst, ganz versteckt, ein einzelnes Osterglöckchen.
"Ist das niedlich. Komm mal hierher", ruft sie ihrer Tante zu.
Natürlich muss auch dieses hübsche Motiv sofort fotografiert
werden.
Mama kommt auch in den Garten und fragt: "Habt ihr mein Lieblingsbeet
noch gar nicht entdeckt? Hinter der Tanne ist es."
Die drei gehen zu der Stelle, die Mama ihnen zeigt. Wie schön es
dort blüht!
"Schau, Verena, wie schön die Erde nach dem Regen aussieht.
So kräftig und gesund. In dieser Erde fühlen Pflanzen sich wohl."
Tante Alexandra macht für heute ihr letztes Foto und sagt: "Das
wird ein richtiges Frühlingsbild."
Als sie zurück zur Terrasse kommen, schaut Tante Alexandra plötzlich
ganz entzückt. "Ach, dieses Foto muss ich aber noch machen",
sagt sie. "Allerliebst sehen diese Osterglocken an der Hauswand aus.
Daran kann ich einfach nicht vorbeigehen. Dann ist aber Schluss für
heute."
***
Am Abend liegt Verena in ihrem Bett und denkt noch einmal über diesen
wunderschönen Tag nach.
Wenn ich groß bin, beschließt sie, werde ich Gärtnerin.
Oder vielleicht doch lieber Fotografiererin?
Erst einmal werde ich jetzt aber schlafen ...
***** E N D E *****
© Karin
Ernst
Bild: ©
Karin Scholles
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