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Was für ein Tag! Als ich morgens aufwache, fühle ich mich träge, obwohl ich etwas besser als in den letzten Nächten geschlafen habe. Ein Blick aus dem Fenster: Es sieht nicht anders aus als gestern. Phlegmatisch hängt Nässe auf Novemberlaub, schweres Grau am Himmel. Am liebsten würde ich den Schlafzimmervorhang wieder zuziehen und mich erneut unter die Bettdecke verkriechen. Doch ich kann meinem inneren Schweinehund zureden, dass es so nicht geht und beginne mein Tagwerk. Steckt auch noch restliche Nichtausgeschlafenmelancholie in meinen Gliedern, hilft mir ein Becher "Frauen-Power-Tee" langsam auf die Beine. Nach Kaffee steht mir heute nicht der Sinn. Da ich erst mittags einen Termin habe (heute ist Samstag), ansonsten nichts auf meinem Plan steht, lasse ich dem Tag Zeit. Und während Musik aus dem Radio mein Frühstück begleitet, kommt plötzlich doch ein wenig Vorfreude auf. Wer weiß, was heute noch passiert? Nichts ist geplant, alles kann geschehen. Na ja, was soll schon geschehen? Nachdem ich die Küche aufgeräumt habe, setze ich mich an den Computer. Nur eine private Mail ist eingetroffen, alle anderen kann ich sofort in den SPAM-Ordner sortieren, wo sie ratzfatz gelöscht werden. Irgendwie vertrödele ich den Vormittag, um gen Mittag in die Innenstadt zu fahren. Ich habe nur eine Kleinigkeit zu besorgen, um danach zu meiner ersten neuen Therapiestunde zu fahren, die heute beginnt. Als ich den Laden verlasse, ohne etwas gekauft zu haben, halte ich plötzlich inne. Ein kleines herzförmiges Papier liegt mir zu Füßen. Die Form gefällt mir, so dass ich es aufhebe. Die klitzekleine Schrift kann ich nicht entziffern, drehe daher das Herz um. Doch was ich jetzt in Händen halte, lässt mich lächeln: Auf einem knallroten Herz steht: I love You. Oben links ist ein Löchlein eingestanzt, als sei es als Anhänger vorgesehen. Da es weder beschmutzt noch geknickt ist, stecke ich es vorsichtig ein. Irgendwie erscheint mir dieser Fund wie ein Zeichen. Doch wofür? Nun ja, immerhin hat er meine Stimmung ein wenig verbessert, und ich überlege, das Herz zu Hause an meinen Spiegel zu kleben. Mit der nächsten Straßenbahn fahre ich zu dem Treff mit einer Therapeutin, bei der ich eine neue sanfte Behandlungsmethode kennen lernen werde. Ich möchte gerne Entspannung erfahren, um innerlich zur Ruhe zu kommen und auch besser schlafen zu können. Gespannt betrete ich den mir bereits bekannten Raum, wo ich schon erwartet werde. Mit leiser Hintergrundmusik werden Blockaden gelöst, bis ich in einer Meditationsübung erlebe, dass ich endlich innerlich loslassen kann, was mich schon lange bedrückt. Diese Erfahrung ist für mich so einschneidend, dass ich meinen Tränen freien Lauf lasse, um mich anschließend wie beflügelt zu fühlen. Ruhig und wohlig warm bis zu den Zehenspitzen mache ich mich danach auf den Weg zum Eisladen, wo ich fast täglich eine Zeitlang zubringe. Ich gönne mir eine heiße Waffel mit Kirschen, dazu einen Milchkaffee und packe mein Strickzeug aus. Die Nachwirkungen der Entspannungstherapie spüre ich recht angenehm. Die Inhaberin des Eiscafes setzt sich mit einem Glas Tee an meinen Tisch, und wir plaudern eine Weile angeregt miteinander. Der Tee duftet herrlich, und sie erzählt, dass sie eine neue Sorte entdeckt habe. Ich bestelle mir ebenfalls ein Glas, und der Teegeschmack gefällt mir ebenso gut wie ihr. Als ich später bezahle, sagt sie: "Der Tee geht aufs Haus." Lächelnd verabschiede ich mich, um mit dem Bus nach Hause zu fahren. An meiner Endhaltestelle angekommen weiß ich, auf dem Bürgersteig vor einem Haus muss ich höllisch aufpassen. Hier liegt das Matschlaub so dicht, dass es für mich besonders starke Rutschgefahr bedeutet. Doch irgendetwas ist jetzt anders. Zuerst bemerke ich es gar nicht, doch dann kann ich sicheren Fußes laufen. Meine Güte, hier ist gefegt worden - wie schön! Frohgelaunt setze ich meinen Heimweg fort und weiß, den Abend werde ich geruhsam begehen. Denn begann dieser Tag auch schwermütig, hatte ich doch das Glück, vier kleine Seelensonnenstrahlen zu finden. Auch wenn ich sie nicht gesucht habe.
(03. November 2007) |