Auch ich, die heute Großmutter ist, hatte Kinder. In ihrer Erziehung habe ich sicherlich viele Fehler gemacht - wie jede Mutter.
Heute, aus eigener Erfahrung, möchte ich den Müttern manchmal gerne etwas sagen.

Was ich heute um mich herum beobachte, stimmt mich traurig.

Kaum ein paar Tage alt, hetzt ihr mit eurem Baby durch die Stadt, ungeachtet des Lärms, der Auspuffgase und sonstiger negativer Eindrücke für euer Kleines.
Ungeachtet des Ereignisses, das ihr erst vor einigen Tagen selbst durchgemacht habt!
Weil ihr unter Leute müsst, angeblich soo lange auf soo vieles verzichten musstet, wegen der Schwangerschaft.
Wo wird das Kind gewickelt?
Wo bekommt es seine Mahlzeit in Ruhe und Geborgenheit?
In welcher Umgebung darf es sein Schläfchen machen?
Wo ruht ihr euch selbst aus?

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Große Hitze herrscht im Moment draußen.
Allerorts werden Schattenplätze bevorzugt.
Oft sehe ich Mütter mit Kleinkindern im Wägelchen an der Straße oder Haltestelle stehen. Das Kindchen hat ein sehr rotes Gesicht, aber kein Sonnenhütchen auf. Es ist quengelig, wird gefragt, was es hat, antwortet: "Warm".
Mutter antwortet: "Kann ich auch nicht ändern, ist nun mal Sommer. Mir ist auch warm".

Kindchen bekommt Durst, möchte trinken. Mutter hat eine Tüte dabei, Eistee mit viel Zucker und reichlich Zusatzstoffen. Kind hat weiterhin Durst. Es kennt ja nicht den herrlich erfrischenden, selbst gebrühten, ungesüßten Früchtetee.
Das Ansprechen der jungen Mütter habe ich mir abgewöhnt, weil ich traurig bin über die Antwort, das ginge mich nichts an.
Eine Mutter antwortete mal, es würde mich immer noch nichts angehen, selbst wenn sie ihr Kind verprügeln würde.... Es sei ihr Eigentum.
Ich konnte nur schlucken.

Ein kleines Kind, laufend an der Hand der Mutter, jammert, weil die Füße wehtun. Ich schaue auf die Schuhe, die das Kind trägt. Turnschuhe mit sehr hohen Sohlen.
Mutter zum Kind: "Diese Schuhe wolltest du haben. Jetzt musst du sie auch anziehen".
Warum kann Mutter nicht entscheiden, dass das Kind im Sommer leichte Sandalen bekommt?
Die Szene im Schuhladen habe ich verschiedentlich beobachtet: Mutter sucht Turnschuhe aus, kommt zum Kind: "Möchtest du diese?".
Kind: "Hmmm".
Mutter: "Dann nehmen wir sie".
Bei der Anprobe dachte ich: Das Kind kann gar nicht darin laufen. Mutter kaufte sie aber, denn sicherlich gefielen sie IHR, weil sie "der letzte Schrei" waren.
Gerne hätte ich der Mutter im Schuhladen etwas vom Barfußlaufen erzählt ... Oder von der großen Wichtigkeit bei Erstlingsschuhen...

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Schon größer, aber immer noch klein, bekommt manches Kind zu viel von allem:

Statt mütterlicher Aufsicht sitzt es vor dem Fernseher - ohne Aufsicht, ohne Anleitung, dem besten Babysitter der Welt - meint ihr.
Statt ein Liedchen mit ihm zu singen, legt ihr eine Kassette ein.
Das Kind kann mit der Technik umgehen, kennt aber keines der Lieder, die ihr als Kind gesungen habt, oder euch vorgesungen wurden.
Statt eine Geschichte oder ein Buch vorzulesen, legt ihr einen Film in den Video-Recorder. Bald kann das Kindchen das schon allein, ihr seid stolz darauf.
Das Kind kennt viele Filme, aber keines eurer Lieblingsbücher, das euch eure Mutter oder Großmutter vorgelesen hat.

Hat Kindchen Hunger, wird etwas gegessen. Es muss schnell gehen. (Warum eigentlich?).
Es gibt das fertige Gläschen, oder
etwas, das nur in der Mikrowelle aufgewärmt werden muss, oder
auch mal eine Pizza vom Bringdienst, oder
unterwegs irgendetwas "auf die Hand".

Auch beobachte ich Mütter, die beim Bäcker Brot kaufen. Kindchen wird gefragt, ob es etwas möchte, zeigt auf etwas, das vielleicht hübsch aussieht. Ein Häppchen wird probiert: will nicht mehr, Mutter ist sauer.
"Hast du doch haben wollen!".
Für solche Zwecke kann von zuhause etwas eingepackt mitgenommen werden.
Dieses Kind kennt kaum noch Essenszubereitungen. Lernt nicht, wie es ist, wenn es "helfen" möchte. Mit Töpfen, Löffeln, Kellen, Naschen.
Es sieht nicht, woraus eine Mahlzeit hergestellt werden kann.
Wie soll es später wissen, dass es ein Gericht auch selber machen kann?

Ein Baby kann schon dabei sitzen, wenn Mutter aus Möhre, Kartoffel und einem Klacks Butter eine Mahlzeit herstellt. Diese kann dann püriert werden. Es sieht die gewachsenen Früchte. Mutter und Kind könnten später auf Feld eines Bauern zusehen, wie alles wächst.

Ein Kind kann zusehen, wenn ein Früchtetee aufgebrüht wird. Vielleicht kann Mutter die Früchte oder Kräuter selber trocknen, die es mit dem Kind gesammelt hat.
Der Tee daraus wird ihm besonders gut schmecken. Die Erinnerung später auch.
Wenn es Tee ohne Zucker bekommt, wird es den Zucker später nicht vermissen.
Fertige Getränke sind - meist - viel zu stark gesüßt.

Besonders traurig macht mich auch das Zusehen, wenn ein Kind ein Stück Obst möchte. Es ist vorrätig, Kindchen kann es auch bekommen. Aber Mutter meint: "Warte, ich muss es erst schälen, die Schale kannst du nicht essen".
So wird das Kind gar nicht daran gewöhnt, dass es die Schale mitessen kann, spuckt diese vielleicht sogar aus.
Bananen sind besonders beliebt, habe ich beobachtet. Kind muss nicht so viel kauen, kann die Schale allein entfernen. Manches Kind isst kein anderes Obst. Ob es weiß, woher die Banane kommt, und auf welchem Wege?
Es könnte auch an andere Früchte herangeführt werden, vielleicht sogar an die, die in der Umgebung wachsen. Und Mutter könnte Geschichten davon erzählen, was früher alles im Garten ihrer Kindheit wuchs.

Wenn ich solcherlei Gedanken habe, kann ich mir vorstellen, wie die Mütter lächeln würden, sollte ich ihnen gegenüber diese aussprechen. Unter dem Motto: Das war vielleicht früher so.....

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Wenn ein Kind heute krank wird, geht ihr Mütter mit dem kranken Kind zum Kinderarzt. Sicherlich ist das auch in Ordnung, wenn ein Kind sehr lange und schwer krank ist.
Bei einem Schnupfen aber, oder Husten oder Durchfall könntest du, junge Mutter, dich vielleicht an die alten Hausmittel erinnern, die deine Mutter oder Großmutter früher an dir angewandt haben.

Es geht natürlich schneller, wenn der "Onkel Doktor" ein Mittelchen verordnet, das dem Kind nur zu verabreichen ist.
Einem Kind Aufmerksamkeit zu schenken, es im Bett zu behalten, Umschläge zu machen, Tee zu brühen, einen Apfel zu reiben, oder Haferbrei zu kochen, macht wesentlich mehr Arbeit. Und kostet Zeit, die du ja nicht hast.
Damit beweist du deinem Kind aber auch, dass du es lieb hast.
Diese Liebe zeigst du dem Kind, indem du dich verstärkt kümmerst. Einmal mehr über' s Köpfchen gestreichelt, schläft es auch im Fieber besser ein.

Sollte es gar ein Antibiotikum sein, das dem Kind verabreicht wird (und gewiss manchmal vonnöten ist), kann dieses vielleicht noch einmal überdacht werden.
Heute ist man schnell mit diesem Medikament "bei der Hand", wenn ein Kind einen Infekt hat. Auch den Ärzten mache ich diesen Vorwurf. Bei wiederkehrenden Infekten wird die Wirksamkeit des Antibiotikums geringer, eines Tages wirkt es evtl. gar nicht mehr.
Die Nebenwirkungen sind nicht zu ignorieren. Vielleicht wird das Immunsystem des Kindes so stark geschwächt, dass es sich kaum erholen kann.

Der kleine Körper sollte Gelegenheit bekommen, sich nach der jeweiligen Krankheit gut zu erholen.
Viele von euch Müttern haben die Möglichkeit, einen PC zu nutzen, Bücher zu kaufen oder in Bibliotheken auszuleihen.
Viele Informationen könnt ihr euch holen, wie ihr dem Krankheitsbild des Kindes beikommen könnt - auf möglichst natürliche Weise.
Vielleicht sind ja auch Hilfestellungen und Tipps von Müttern oder Großmüttern nützlich.

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Gerne nimmst du dein Kindchen zum Einkauf mit.
Das Überangebot an Waren heutzutage überfordert mich. Vielleicht auch dich.
Dein Kind sieht alles, kann es nicht aufnehmen.
Möchte vieles, das weiß der Kaufmann. Deshalb stellt er die Süßigkeiten, die das Kind so gerne hätte, in dessen Erreichbarkeit.
Besonders fällt diese "Quengelware" an der Kasse auf. Mutter und Kind müssen warten, so kann das Kind fordern. Damit es Ruhe gibt, kaufst Du, Mutter, deinem Kindchen etwas.
Die Kasse klingelt, der Kaufmann ist zufrieden.

Für dich und das Kind würde es sich lohnen, wenn du dich einmal ausgiebig mit dem Kaufmann darüber unterhalten würdest, dass es DICH stört, dass die Ware an der Kasse steht.
Natürlich weißt du, dass der Kaufmann ein Geschäft machen möchte. Vielleicht hat er selbst eigene Kinder, und das Gespräch mit ihm ließe ihn nachdenken.

Ansonsten könnte es für dich eine Aufgabe sein, diese Quengelware zu boykottieren. Weitere Mütter im Laden wären dir sicherlich von Herzen dankbar, und dein Kind bekäme zwischendurch keine Süßigkeiten, die du verhindern kannst.
Darauf könntest du sehr stolz sein!

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Eine weitere Beobachtung findet in Spielzeugläden oder bei Besuchen statt.
Kinder von heute haben - meistens - zu viele Spielsachen.
Von klein auf wird dem Kind zu viel geschenkt, weil ein Schenkender den anderen übertrumpfen möchte. Oder weil "alle" diese Dinge auch haben.
Du als Mutter könntest einen Riegel vorschieben. Könntest klar verständlich machen, dass Du diese vielen Dinge für dein Kind nicht möchtest. Könntest besprechen, was gebraucht wird, so dass der Schenkende auch zufrieden ist.
Gerne mache ich mir Gedanken darüber, was ich einem Kind schenken möchte.
Hat es das vielleicht schon? - Dann wäre es überflüssig. Zwei der gleichen Dinge braucht es nicht.
Würde es sich überhaupt gerne mit diesem Spielzeug beschäftigen, oder bevorzugt es viel lieber ganz andere Dinge?
Auch versuche ich, auf die Materialien zu achten.
Heute gilt oft die Devise: Lieber billig, dafür umso mehr. Lieber kaufe ich ein Stück weniger, dafür dieses aus gutem, möglichst natürlichem Material, das ein Kinderleben lang halten kann.

Häufig bekommt ein Kindchen Spielsachen viel zu früh geschenkt.
Der Säugling braucht am Anfang höchstens ein Teilchen, das er bald ansehen kann. Ansonsten möchte er seine Umgebung mit den Augen erkunden.
Wenn er anfängt zu greifen, genügen kleinste Greiflinge, die er in den Mund stecken kann, ohne Bedenken wegen des Materials.
Ansonsten erkundet er seinen eigenen Körper, spielt mit Händchen und Füßchen, greift nach den Eltern, versucht die Dinge in seiner allernächsten Umgebung zu erfassen.

Etwas größer geworden, mag das Kind geräuschbringende Gegenstände. Es genügt ein einfaches Stück Butterbrotpapier. Dieses kann es unbedenklich in den Mund stecken, und erfreut sich am Geräusch.
Natürlich sind das nur Beispiele.
Zu viele Gegenstände liegen heute um ein Baby oder Kleinstkind herum, so dass es sich nicht richtig auf eines konzentrieren kann. Es bekommt zu viele Eindrücke, die es nicht verkraftet. Dadurch können sich Einschlafschwierigkeiten entwickeln, es wirkt oft unruhig.

Denke an die Überforderung Deines Kindes, wenn es "von allem zu viel" haben wird.

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Liebe ist ... dem Kind nicht alles durchgehen zu lassen.

Du stellst die Spielregeln auf, aber halte sie auch ein.

Denn Kinder brauchen Grenzen - Mütter (besser noch: Eltern) setzen sie.

Es wird dich dafür lieben. Eines Tages.


Viele, liebe Grüße

Von einer unbekannten Mutter (heute Großmutter).



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© Karin Ernst