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Max lebt mit seinen Eltern in einem Haus in einer großen Stadt.
Er hat ein eigenes Zimmer und viele Spielsachen: eine Eisenbahn, viele
Bilderbücher, Bauklötze, Puzzles und Kuscheltiere. Doch am liebsten
sieht sich Max die echten Tiere im Wald an.
Sehr gerne hat Max es, wenn alle zusammen am Wochenende einen Ausflug
in den Zoo machen. Dort kann er viele Tiere ansehen, die er aus seinen
Bilderbüchern kennt.
Heute weiß Max nicht, was er anfangen soll. Papa ist zur Arbeit,
Mama telefoniert, und in seinem Zimmer kennt er schon alles. Ihm ist langweilig.
Er überlegt, was gegen Langeweile hilft: Er schaut aus dem Fenster.
Eine ganze Menge gibt es dort zu sehen. Vor dem Haus ist eine Straße.
Viele Autos fahren dort. Am liebsten mag Max die großen Lastwagen.
Manchmal fährt auch ein Tatütata vorbei. Inzwischen weiß
er aber, dass das Feuerwehrauto oder Polizeiauto heißt. Schließlich
ist er kein Baby mehr. Nur Babys sagen Tatütata. Max ist schon fünf
Jahre alt und Mamas "Großer".
Gegenüber gibt es einen Wald. Dort geht er manchmal mit seinen Eltern
spazieren. Das macht Spaß und er kann eine ganze Menge entdecken.
Da fällt ihm eine Begegnung von letzter Woche ein: Als Max mit seinen
Eltern auf dem Weg zum Wald waren, blickten ihn plötzlich zwei Augen
an. Max blinzelte, aber die Augen blieben auf ihn gerichtet. Ein Eichhörnchen
saß direkt gegenüber in einem Baum und schaute herüber.
Er winkte, aber das Eichhörnchen starrte weiterhin wie gebannt Max
an.
Als sie an der Straßenecke, wo sich ein Zebrastreifen als Überweg
zum Wald befindet, ankamen, wollte Max schnell hinüber laufen, um
das Eichhörnchen aus der Nähe zu betrachten. Mama und Papa aber
sagten, er sei noch zu klein, allein über die Straße zu gehen.
`Pah, denkt er jetzt`, `ich werde ihnen schon beweisen, dass ich das kann.`
"Gehen wir spazieren?", fragt Max seine Mutter, als diese das
Telefongespräch beendet hat.
"Das können wir machen", sagt sie, "etwas Zeit habe
ich noch."
Sie gehen los. Max nimmt heute nicht ihre Hand. Am Zebrastreifen will
er ganz allein über die Straße gehen. Er wartet, bis es "grün"
wird, dann stiefelt er los. Schließlich will er Mama beweisen, dass
er schon ein großer Junge ist und das kleine Stück bis zum
Wald allein schafft. Dann kann sie ihn vom Fenster der Wohnung aus sehen,
wenn er allein den Weg gehen darf.
Im Wald hält er Ausschau nach dem Eichhörnchen. Dort ist es.
Ein wenig spielt er mit einem Stöckchen, verhält sich dabei
ganz ruhig. Das hat Papa ihm beigebracht. Er würde das Tier sonst
verscheuchen. Das will Max auf keinen Fall. Das Eichhörnchen traut
sich immer näher. Max sucht eine Eichel, die er "Eichi",
wie er das Eichhörnchen jetzt nennt, hinhält. Fast wäre
Eichi ganz nah herangekommen, da ruft Mama, sie müssen jetzt wieder
nach Hause.
Später in seinem Zimmer schaut er wieder aus dem Fenster. Eichi sitzt
tatsächlich wieder im Baum und blickt zu ihm herüber. Max freut
sich.
Am nächsten Tag möchte Max wieder in den Wald, Mama hat aber
keine Zeit.
Das Wochenende kommt und somit Gelegenheit zum Waldspaziergang. Immer
wieder bemüht der Junge sich, den Weg vom Haus zum Zebrastreifen
und über die Straße allein zu gehen. Am Waldesrand läuft
er dann los und freut sich auf Eichi. Der hat anscheinend schon auf seinen
kleinen Freund gewartet, denn immer ist er zur Stelle, wenn Max kommt.
Der Junge hält ihm oft eine Eichel oder Buchecker hin. Eichi läuft
dann mit seinem Fang den Baum hinauf, wo er die Leckerei vernascht.
Max und Eichi gewöhnen sich richtig aneinander. Bei jedem Waldspaziergang
treffen sie einander wieder. Max erzählt ihm Geschichten und Eichi
hört mit großen Augen zu. Die Mutter setzt sich manchmal auf
eine Bank und beobachtet die beiden. Sie möchte nicht ständig
stören. Jetzt hat er Unterhaltung.
Zwei Wochen später fragt Max seine Eltern, ob er es allein versuchen
darf, in den Wald zu gehen. Mama stimmt zu. Papa ermahnt zur Vorsicht,
und Max marschiert los, während Mama vor der Haustür steht und
ihn beobachtet.
Max schafft den Weg ganz allein. Schließlich hat er immer gut aufgepasst.
Ziemlich stolz ist er, als er allein die Straße überquert hat.
Er winkt Mama vom Waldeingang zu und geht das Eichhörnchen suchen.
Es wartet schon auf ihn.
So geht es viele Tage lang. Nur bei Regen kann Max nicht in den Wald.
Dann sitzt Eichi im Baum, und Max schaut aus dem Fenster. Manchmal malt
er auch. Das Eichhörnchen, das er mit Eifer übt, gelingt ihm
schon ganz gut.
Eines Morgens will Max gar nicht aufstehen. Ganz merkwürdig fühlt
er sich. Auch Müsli mag er nicht, obwohl er es gerne isst. Am liebsten
würde er im Bett bleiben. Das liebt er sonst gar nicht, gibt es doch
am Tage so viel zu erleben. Der Hals tut ihm weh und ihm ist heiß.
Selbst das Laufen fällt ihm schwer. Mama sagt, er habe eine Erkältung
und müsse im Bett bleiben. Sie bringt heißen Tee mit Honig
und deckt ihn liebevoll zu.
Max schläft und schläft und träumt von seinem Freund, dem
Eichhörnchen. Dann kommt ein fremder Mann an sein Bett. Das ist ein
Doktor, der ihn wieder gesund machen will. Der Kleine bekommt Medizin,
die ganz bitter schmeckt. Fieber wird noch gemessen. Max fühlt sich
schlapp.
Drüben im Wald wundert sich das Eichhörnchen, dass kein Max
mehr kommt. Es ist sehr traurig. Max war immer lustig und gab ihm Eicheln.
Manchmal auch Nüsse.
Eichi hatte beobachtet, wie Max über die Straße gegangen war.
Da waren die großen Streifen, über die man laufen musste. Eichi
tastet sich langsam vorwärts bis an den Rand des Zebrastreifens.
Autos kennt er. Schließlich liegt der Wald, in dem er wohnt, an
der Straße. Über die Straße ist er aber noch nie gelaufen.
Eichhörnchen sind sehr schlau, und Eichi vermisst seinen Freund sehr.
Also traut er sich bis an den Rand der großen Streifen. Dann hüpft
er, so schnell er kann, über die Straße zu dem Haus, in dem
Max wohnt. Dort ist aber kein Baum, auf den er klettern kann. So läuft
er erst mal wieder zurück.
Vom Wald aus schaut er sich die ganze Sache noch einmal ganz genau an.
Dann läuft er nochmal los und klettert an der Hauswand bis zum Fenster
von Max hinauf. Dort sitzt Eichi auf der Außenfensterbank und schaut
durch das Fenster hinein. Er sieht Max im Bett liegen und weiß,
etwas ist anders als sonst. Max sieht ihn nicht und liegt ganz still.
Nun weiß Eichi, dass Max krank ist, denn auch Eichhörnchen
werden manchmal krank und können dann nicht herum hüpfen.
Am nächsten Tag geht es Max schon etwas besser. Er darf noch nicht
aufstehen, kann aber schon von seinem Bett aus nach draußen sehen.
Er bedauert, dass er nicht in den Wald laufen kann, um Eichi zu treffen.
Weil er aber noch sehr schlapp ist, schläft er wieder ein.
Nachdem Max ausgeschlafen hat, schaut er wieder hinaus und blickt direkt
in zwei dunkle Augen. Zweimal sieht er hin, weil er es nicht glauben kann:
Eichi sitzt vor seinem Fenster!
Max freut sich sehr, dass sein kleiner Freund ihn vermisst. Schnell wird
er wieder gesund ...
***** E N D E *****
Nachwort:
Diese Geschichte ist meine allererste Kindergeschichte, die ich geschrieben
habe. Ich widmete sie meinem Enkel Max. Das Haus, die Straße und
den Wald gibt es tatsächlich. Dort wohne ich. Alles andere ist frei
erfunden.
(c) Karin Ernst
Bild: ©
Karin Scholles
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