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Morgenimpressionen
Ich stehe am Fenster und schaue genießerisch hinaus, recke mich wohlig. Was ich sehe, erfreut mich und lässt meine Seele lächeln. Der Himmel hat die gestrige Traurigkeit abgelegt. Seine Tränen sind versiegt, und weißverziertes Blau verspricht einen schönen Tag. Das Nass auf novemberbuntem Laub lässt Blätter herrlich glitzern. Erste Sonnenstrahlspitzen spiegeln sich im nassen Asphalt. Ich lasse meine Blicke schweifen. Im Wald gegenüber zieht der Winter ein. Manche Bäume haben ihr Kleid bereits völlig abgelegt, andere schmückt Gelb, Braun oder Restgrün. Kleine Blätter tanzen durch die Luft, eines legt sich auf die Außenfensterbank, schwimmt im Restregenwasser. Doch jetzt amüsiere ich mich köstlich. In der rechten oberen Ecke des Fensters außen findet ein kleines Naturwunder statt. Niedlich anzusehen hängt in einem filigranen Spinnennetz eine klitzekleine Spinne mit einem kugelrunden Bauch. Sie arbeitet unermüdlich daran, ihre Wohnung weiterzubauen. Weiter unten, in der Mitte der Scheibe, schläft ein kleiner gelber Schmetterling. Wie angeklebt hängt er dort. Vielleicht ein Nachtfalter. Mit diesen zierlichen Flattertierchen kenne ich mich nicht aus. Der Falter rührt sich keinen Millimeter, während das Spinnchen emsig weiterspinnt. Mir scheint, als wolle es sich auf den Weg zu dem Fensterscheibenmitbewohner machen. Na ja, vielleicht gibt es ein Rendezvous. Oder einen Kaffeeklatsch. Werden sie sich vertragen? Denn zusammenkommen werden sie wohl nicht.
(24. November 2006) |