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Nächtlicher Besuch Ungern unterbrach ich meine Träume, aber ich musste, wie häufig, nachts aufstehen. Suchend tastete ich nach der Nachttischlampe, erhob mich vorsichtig aus dem Bett, bewegte mein wadenkrampfgeplagtes Bein ein wenig und ging dann ins Badezimmer. Als ich die Schlafzimmertür zum Flur hin öffnete und dort das Licht einschaltete, erschrak ich fürchterlich. Was war das? Irgendetwas streifte leicht meinen Rücken! Starr verharrte ich einen Moment lang auf der Stelle, tastete mich dann langsam zur Badezimmertür vor. Da! Wieder vernahm ich ein fremdes, flatterndes Geräusch. Im Badezimmer machte ich ebenfalls Licht, um der Sache auf den Grund zu gehen. Vielleicht ein Nachtfalter, überlegte ich. Oder eine dicke Fliege. Beinah traute ich mich nicht, mich umzudrehen. Doch dann nahm ich allen Mut zusammen. Pah, dachte ich! Bin doch kein Angsthase. Der Toilettengang war vergessen, ich wollte wissen, welch nächtlicher Besuch sich in unserer Wohnung aufhielt. In Zeitlupe drehte ich mich um und bewegte mich auf den Flur zu. Da flog es umher! Ich schluckte schwer, war dann aber beruhigt. Es war Fledi! Seit einigen Jahren gab es diese kleine Fledermaus, die in der Dämmerung auf Futtersuche um unser Haus flog. Was draußen niedlich anzusehen war, machte mir nun doch ein bisschen Angst. Ich wusste nicht, wie ich sie einfangen sollte. Sie musste durch die offene Wohnzimmerbalkontür in die Wohnung geflattert sein und konnte sich nicht befreien. Mir wurde klar, dass ich sie nicht fangen konnte, also weckte ich meinen Mann. "Psst, ganz ruhig, erschrick dich bitte nicht. Fledi ist zu Besuch." Mein Mann begriff erst gar nichts, stand aber sofort, wenn auch schlaftrunken, auf. Ich wusste, er mochte es nicht, wenn sich ein Tier im Zimmer befand. Erinnerungen an eine Meise und einen Spatz kamen mir, die bei uns im Wohnzimmer gelandet waren. Die Vögel flogen damals zwar umher, setzten sich zwischendurch jedoch auf die Fensterbank, wo ich sie dann vorsichtig in beide Hände nahm und nach draußen brachte. Nun wussten wir beide nicht, was zu tun war. Fledi raste im Düsentempo durch das Wohnzimmer. Mein Mann bat mich, draußen zu warten und schloss die Zimmertür. Ich hörte Geräusche, und nach kurzer Zeit kam er freudestrahlend wieder heraus. Zaghaft blickte ich mich um. Der nächtliche Besucher war verschwunden. Beide Flügel des Fensters waren weit geöffnet, durch die Fledi seine Freiheit wiedergefunden hatte. Die Balkontür wurde vorsorglich in Kippstellung gebracht, so dass weder die kleine Fledermaus noch ein Vogel ins Zimmer fliegen konnten. Beruhigt begaben wir uns für eine letzte Stunde ins Bett und schliefen lächelnd ein.
(30. August 2005)
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