|
Positiver Tag In der Nacht habe ich so gut geschlafen wie lange nicht. Ich hatte ein neues Schaffell gekauft, das fast die ganze Matratze bedeckt, so dass ich seit langem mal nicht mit kalten Füßen einschlafen musste. Der frische Schafgeruch ließ mich selig träumen, so dass ich morgens quietschfidel erwachte. Genüsslich reckte und streckte ich mich noch einmal, um dann zum Frühstück aufzustehen. Als ich die buntgeblümten Vorhänge aufzog, sah ich, heute würde ein schöner Tag werden. Ein Sonnenstrahl schaute bereits um die Ecke und zauberte ein Streifenmuster auf den Rasen. Auch den Himmel zierte schon herrliches Blau. Ich begrüßte meinen Mann, der, wie immer, vor mir aufgestanden war, mit einem Kuss und folgte ihm lächelnd in die Küche. Bei unserem genüsslichen Frühstück plauderten wir lebhaft. Nachdem er sich auf den Weg zur Arbeit begeben hatte, schaltete ich den Computer an. In meiner Mailbox erwartete mich eine nette Nachricht. Eine Mailfreundin hatte mir einen kleinen Film geschickt, den sie mit der Funktion ihrer Digitalkamera aufgenommen hatte. In ihrem Aquarium schwammen zwischen allerlei Fischen klitzekleine Frösche, die ich nun ansehen konnte. Ein hübscher Einfall! Aus meinem Wohlgefühl heraus schrieb ich ein Morgengedicht und setzte es direkt auf meine Homepage unter "Neuigkeiten." Eine andere Mailfreundin überraschte mich damit, dass sie diese Verse in einem Forum veröffentlichte, weil sie ihr so gut gefielen. Mir Schreiberin war es natürlich eine besondere Freude. Später machte ich mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Plötzlich überholte mich ein Radfahrer in einer verkehrswidrigen Geschwindigkeit. Entsetzt machte ich einen Schritt zur Seite und holte erst einmal tief Luft. Aber nicht nur ich hatte mich erschrocken, sondern auch eine kleine Schnecke, die von dem Rowdy beinah überfahren worden wäre. Vorsichtig bückte ich mich, ergriff sie an ihrem Häuschen und setzte sie sanft auf einer Grasfläche ab. Sofort krabbelte sie zwischen die Grashalme und ward nicht mehr gesehen. Ich stellte mir vor, wie erleichtert sie war und ging lächelnd weiter. An der Bushaltestelle fiel etwas mir direkt vor die Füße, wie mir schien, aus den Wolken. Eine kleine grüne Kugel, glatt, wohlgeformt. Die erste Kastanie, erkannte ich erfreut und öffnete sie mit Hilfe meiner Gehstütze. Heraus sprang eine kirschgroße Kinderkastanie, braun, blank, allerliebst anzusehen. Ich wunderte mich über die frühe Reife im Juli und steckte das Geschenk des Himmels in meine Jackentasche. Der Kastanienbaum neben dem Wartehäuschen trug viele Früchte. Sicher würden mir in der nächsten Zeit noch einige vor die Füße kullern. Habe ich auch nichts Besonderes erledigt, fühlte ich mich doch voller Zufriedenheit. Denn ich mag solche Tage wie heute. Mit vielen kleinen Freuden
(03. August 2005)
|