Diesen Slogan lese ich in letzter Zeit immer häufiger, und finde ihn gut. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen am PC genauso viel können wie Männer, wenn nicht sogar mehr. Diesen Gedanken aber wage ich nur zu denken, nicht ihn auszusprechen.

Vor drei Jahren kaufte mein Mann einen Computer. Ab und zu bringt er sich Arbeit mit nach Hause, macht unsere Steuererklärung fertig und erledigt seine Briefe. Alles am PC. Damals hatte ich mir geschworen: Ich gehe nie ran an diesen "Kasten". Konnte ich auch gar nicht, denn zu damaliger Zeit wusste ich nicht einmal, wo sich der Einschaltknopf befindet.

Eines Tages, als mein Mann wieder vor diesem "Ding" saß, fragte ich: "Kann ich auch mal?"
"Dann nimm mal die Mouse."
Die Maus?, dachte ich. Was für eine Maus?
Er zeigte mir die Mouse. Dass diese nicht beißt, war alles, was ich wusste. Ich setzte mich zum ersten Mal vor den Computer, und er sagte: "Nun mach mal. Der Cursor muss da und dort hin."
Cursor - was ist das denn?, überlegte ich. Nie gehört.

Langer Rede, kurzer Sinn: Jeder, der sich am Computer auskennt, kann sich vorstellen, welche Schritte ich gehen musste, um überhaupt die Grundkenntnisse zu erwerben, den PC zum ersten Benutzen zu begreifen. Das war nicht mal eben "nun mach mal". Mein Mann hatte gut Reden, er arbeitete seit Jahren mit solchen Apparaten. Für mich waren es "böhmische Dörfer".

Trotzdem begriff ich verhältnismäßig schnell. Eines Tages brauchte ich ihn nicht mehr zu bitten, mir neue Schritte beizubringen. Ich wollte es selbst weiter schaffen. Unter dem Motto "learning by doing" brachte ich mir die Kenntnisse, die ich heute habe, selber bei. Darüber freute ich mich. Ab und zu fragte ich ihn dennoch. Technik ist weiterhin nicht "mein Ding".

Es kam die Zeit, da ich mehr Stunden vor dem PC verbrachte, als mein Mann. Versprach das neue Medium doch eine neue Beschäftigungsmöglichkeit, die ich nutzte. Die Anfänge des Textprogramms hatte ich erlernt, so dass ich meine Korrespondenz erledigen konnte. Dann erforschte ich das Internet, ging surfen, und entdeckte die Welt.
Als wir den Computer ganz neu hatten, fragte ich einmal meinen Mann, was ich im Internet alles finden könne. Er antwortete: "Alles."
Damals begriff ich nicht, was gemeint war. Heute kenne ich mich aus.
Habe gelernt, über Suchmaschinen all das zu finden, was ich wissen möchte. Finde Homepages und Foren. Die Foren sind heute das, was mich am meisten interessiert, außer den Möglichkeiten der Informationssuche.

Irgendwann stellte ich fest, dass es nicht nur viele Senioren-Seiten im Netz gibt, sondern auch den obigen Slogan. Darauf lenkte ich mehr und mehr mein Augenmerk. Eine ganze Menge habe ich inzwischen zusammengetragen. In einem Senioren-Treff bin ich gerne "Gast". Dort kennen wir uns, tauschen uns aus.

Einige der Besucherinnen dieser Seniorenseite haben eine eigene Homepage. Auch dort bin ich zu Besuch, lerne die verschiedenen Seiten kennen, trage mich in Gästebücher ein.

Nach und nach ergeben sich Emailkontakte mit Menschen aus diesen Seiten. Meist sind es gleich gesinnte. Ich schreibe gerne Gedichte, und wundere mich, wie viele Menschen ebenfalls schreiben. Es ist immer wieder erstaunlich festzustellen, wie viel es von allem gibt. Ab und zu denke ich: zu viel.

Die Kontakte der Seniorinnen untereinander sind positiv. Ich sehe darin eine Möglichkeit, aus der Isolation herauszukommen. Doch noch viel zu wenig Frauen (und auch Männer) nutzen dieses Medium, weil sie der Meinung sind, sie seien zu alt dafür. Dem Slogan "Seniorinnen ans Netz" werden hoffentlich immer mehr Frauen folgen. Zum Lernen ist der Mensch nie zu alt.

Gedichtschreiberinnen finden sich. Möglichkeiten gibt es viele, unter dem Motto: Klick mal hier, schau mal dort. Für mich hat sich ein wunderbarer Kontakt ergeben. Eine Frau, die meine Gedichte auf einer anderen Seite fand, suchte Emailkontakt. Sie hat eine eigene Homepage. Einige meiner Gedichte gefielen ihr so sehr, dass sie mir eine eigene Gastseite auf ihrer Website anbot. Gerne nahm ich an, und so waren einige meiner Werke im gesamten Netz zu lesen. Es blieb nicht bei dieser einen Seite. Was will eine Schreiberin mehr?

Über Kontakte, die ich im Internet haben kann, freue ich mich. Dadurch ist meine Zeit jetzt ausgefüllter. Mit kreativer, positiver Beschäftigung. Ich schreibe Gedichte und Kindergeschichten, nutze die Möglichkeit, diese ins Netz zu stellen und bekomme neue Kontakte. Mehr oder weniger intensiv. Genau, wie ich es selber möchte.

Es hat eine Zeit gegeben, da wollte ich mich aus dem Netz zurück ziehen. Bin ich doch der Meinung, dass Surfen und der Besuch von Foren süchtig machen kann. Häufig saß ich zu viele Stunden am Computer. Inzwischen kann ich den Kasten auch wieder herunterfahren, finde den Abschaltknopf. Meine Gedanken im Kopf wollen zu Papier gebracht werden. Das ist meine Passion.

Aber ich kann den PC immer wieder anstellen, wenn ich Kontakte im Internet möchte.

Wenn er dann nicht läuft, bedaure ich, dass ich allein im Raum bin - wie früher.

Die Kontakte sind wieder "abgeschaltet", niemand spricht mit mir.

Und es wird mir klar: Es bleibt eben nur ein Computer ...

 

 

***** E N D E *****

 

 

© Karin Ernst