Überlegungen zum Thema "Liebe"

"Nur die Liebe lässt uns leben" - eine hübsche Liedzeile.

Doch jeder, der im Leben schon die Erfahrung hat, weiß, dass Liebe auch mit viel Leid verbunden sein kann.

"Liebe ist das Einzige, für das es sich zu leben lohnt" - eine andere Version. Ähnliches ist vielfach in der Weltliteratur zu lesen.

Doch wie sieht es im wahren Leben aus?

Ein Paar verliebt sich ineinander, es folgt der Zustand "Himmel auf Erden." Doch kommt der Alltag - unter Garantie. Wenn das Glück groß ist, wird aus Verliebtheit Liebe - das Größte aller Gefühle überhaupt.

Ob sie Bestand hat, liegt in den beiden selbst. Inwieweit sie bereit sind, den Zustand "Liebe" aufrecht zu erhalten, dafür zu kämpfen.

Denn es folgt Routine, ein Zustand des Versorgtseins, Alltag. Vielleicht noch mit glücklichen Momenten, ein wenig Abwechslung.

"Liebe über die Vernunft stellen" - ebenfalls u. a. in Liebesgedichten zu finden, oder die Aussage von Romantikern. Doch kann das funktionieren?

Ich höre Stimmen:
"Von Liebe werde ich nicht satt."
"Eine Versorgung ist doch viel wichtiger."
"Was soll denn werden, wenn man krank wird."
Oder "Was geschieht im Alter?"

Aussagen des Verstandes. Wohl wahr, nicht von der Hand zu weisen.

Doch was, wenn einem die Liebe neu begegnet? Der Verstand, nun außer Kraft gesetzt, funktioniert nach anderen Maßstäben. Die Liebe ist ein starkes Gefühl, das jedes Vernunftdenken über den Haufen wirft.

Doch auch hier schleicht sich Gewohnheit ein. Vielleicht funktionieren Auseinandersetzungen nicht, Krisen folgen.

Kann Liebe im Herzen so fest verankert sein, dass sie nicht bröckelt? Oder wird sie eines Tages doch wieder von der Vernunft eingeholt?

Zumindest wäre zu wünschen, dass dann gesagt werden kann: "Und dennoch war es Liebe."

Dieser Gedankengang erinnert mich an einen Filmklassiker: "Anna Karenina".

 


(17. November 2006)
© Karin Ernst