Und wir Hausfrauen?

Wieder ist die Zeit gekommen, wo es, wie jedes Jahr, an Einladungen nicht mangelt. Doch ich möchte klarstellen, dass nicht i c h irgendwohin eingeladen werde …

Es geht um Martinsgansessen, Weihnachtsfeiern oder Verabredungen zum gemeinsamen Bummeln über Weihnachtsmärkte. Momentan höre ich viele Gespräche an Haltestellen, in Bus und Bahn, dort, wo Menschen sich treffen. Selbst Kleinkinder und Jugendliche unterhalten sich aufgeregt über das angesagte Thema.

In Kindergärten gibt es das "Wichteln." Ich erinnere mich an die Zeit in Hamburg, als meine Kinder klein waren. Dort nennt man diesen vorweihnachtlichen Geschenkeaustausch "Julklapp." Jedes Kind macht einem anderen ein Geschenk. Oder es wird gebastelt, und die Kinder nehmen selbstgemachte Geschenke mit nach Hause. Diese Idee finde ich zauberhaft. Eltern-Kind-Weihnachtsfeiern in der Einrichtung sind auch angedacht.

Unter Schülern scheint es einen ähnlichen Brauch zu geben. Im Bus entnehme ich einer Unterhaltung, wie zwei Jugendliche kichernd überlegen, was sie für einen geringen Geldwert kaufen können. Diese Geschenke sollen auf einer Klassenweihnachtsfeier getauscht werden.

Mein Mann erhält jedes Jahr im November eine formelle Einladung zum Martinsgansessen. Es ist keines der sogenannten "Arbeitsessen", wie sie in Firmen üblich sind, sondern eine hochfeierliche Angelegenheit. Das Essen ist bestimmt fünf Sterne wert, und gerne wäre ich dort einmal Mäuschen.

Auch wird in seiner Firma jedes Jahr neu überlegt, wo die innerbetriebliche Weihnachtsfeier stattfinden kann. In vielen Betrieben scheinen solche Feiern üblich zu sein.

Auch in Senioreneinrichtungen gibt es vorweihnachtliche Veranstaltungen. Es werden Basare ausgerichtet, kleine Weihnachtsmärkte errichtet, und es gibt Adventsnachmittage bei Kaffee, Kuchen und Gesang.

Kindergärten basteln und feiern.
In Schulen wird geschenkt und gefeiert.
Firmenangestellte gehen feiern.
Seniorenangebote gibt es reichlich.

Ich gönne alle Menschen diese Vorweihnachtsfreuden. Ihre Weihnachtsfeiern, Essenseinladungen, gegenseitiges Beschenken.

Und obwohl ich mit dem ganzen Weihnachtskommerz nicht viel "am Hut" habe, kommt doch ein kleines bisschen Wehmut in mir auf. Denn in der Zeit, in der viele andere Menschen Einladungen erhalten oder mit anderen ausgehen, gibt es für einen Berufszweig so etwas nicht: Für die Hausfrauen.

Natürlich kann ich mir, als Hausfrau, meine eigene Weihnachtsfeier ausrichten. Vielleicht jemanden einladen oder in ein Café gehen, ein Stück Weihnachtstorte essen, heißen Kaffee mit Punschgeschmack dazu trinken (bestimmt gibt es so etwas!), mir irgendetwas in dieser Richtung "gönnen."

Aber es ist nicht das, was momentan in aller Munde ist. Und allein über den Weihnachtsmarkt zu schlendern, macht auch keinen Spaß.

Nun ja, ich werde es nicht ändern

Als ich heute Morgen beim Frühstück meinem Mann meine Gedanken darüber mitteile, schweigt er einen Moment. Dann aber sagt er lächelnd: "Weißt du was? Du sollst deine Vorweihnachtsfreude haben. Samstag gehen wir beide in aller Ruhe über den Weihnachtsmarkt in der Stadt."

Nun lächle auch ich. Denn ich habe Grund zur Vorfreude.

 


(23. November 2005)
© Karin Ernst