|
Verflixt noch mal! Heute Morgen stehe ich vor meinem Kleiderschrank und überlege, ob ich ein T- oder Sweatshirt anziehen möchte. Oder vielleicht einen Pullover? Eine Bluse kommt nicht in Frage, denn ich ziehe Blusen nur äußerst selten an. Ich schaue aus dem Fenster, Wolken ziehen auf Himmelsgraublau, gemischtes Wetter ist vorhergesagt. Zwar bedaure ich, dass das herrliche Sonnenwetter, das uns in den letzten drei Wochen fast durchgehend den Urlaub versüßt hat, vorbei ist, werde mich aber an die angekündigte Veränderung gewöhnen. Also kühleres Wetter. Ich löse mich aus meinen Urlaubserinnerungsgedanken, und nehme mir einen Baumwollpullover mit langen Ärmeln, den ich erst vor kurzem gekauft habe. Das Türkisblau gefällt mir, und diese Art von Pullovern trage ich seit Jahren. Nachdem ich ihn übergestreift habe, überprüfe ich im Spiegel, wie er sitzt. In den letzten zwei Monaten habe ich vier Kilo abgenommen, der Pullover passt trotzdem einigermaßen. "Auf Figur" trage ich sowieso nicht, also bin ich zufrieden. Nach einer Weile werde ich unruhig. Irgendetwas stört mich. Ich drehe und wende meinen Hals, prüfe, ob sich irgendwo ein langes Haar eingeklemmt hat, das juckt. Dann fällt es mir ein! Verflixt noch mal! Diese verdammten eingenähten Namensetiketten. Ich ziehe den neuen Pullover noch einmal aus und schaue nach. Tatsächlich! Im rückwärtigen Halsausschnitt ist ein kleines Schild eingenäht. Das Material ist aus Kunstfaser, der Nähfaden hart. Diese Schilder kratzen bei mir jedes Mal, wenn ich von der Firma etwas kaufe. Bei T-Shirts habe ich es genauso erlebt, wie bei Polohemden oder Sweatshirts. Und nun fühle ich das Jucken und Kratzen bei dem neuen Pullover. Dabei erinnere ich mich an einen Brief, den ich der Firma geschrieben hatte, um sie auf diesen Mangel aufmerksam zu machen. Nach drei (!) Monaten kam eine lapidare Antwort. Es seien bisher keine Kundenbeschwerden bekannt, man würde meine Nachricht jedoch dem Einkauf weiterleiten. Auf meine damalige Frage, ob ich die Klamotten wenigstens ihrer im Haus befindlichen Schneiderei zum Raustrennen der Etiketten - natürlich kostenlos - bringen könne, erhielt ich keine Antwort. Jetzt stehe ich vor dem erneuten Problem, denn eigentlich muss ich das Etikett komplett raustrennen, soll mich das blöde Material nicht ständig piesacken. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass ich es nicht schaffen werde. Ich weiß, ich bin nicht die Einzige, die dieses Problem kennt. Wie oft habe ich versucht, die Schildchen zu entfernen. Besitze eine teure kleine Schere, die wirklich spitz und scharf ist. Es ist mir bisher aber noch nie gelungen, ein Etikett herauszuschneiden, ohne dass nicht ein kleines Loch entsteht. Oder ein Stückchen Restfaden hängen bleibt. Wenn das Label wenigstens in die Seitennaht eingenäht wäre! Dort würde es kaum stören. Allerdings gibt es manchmal auch da welche, die so groß sind, dass sie beim Bügeln lästig sind. Und aus Plastikmaterial bestehen, das beim Anziehen raschelt. Solche schneide ich einfach eng an der Naht ab, so dass sie nicht mehr nerven. Das heutige Problem allerdings beschäftigt mich noch eine Weile. Ich überlege, ob eine Rasierklinge geeignet ist. Bin mir aber der Gefahr bewusst, wie schnell ich mich damit verletzen kann. Außerdem werden bei dem Rasiergerät, das mein Mann benutzt, überhaupt keine Klingen verwendet, sondern "Scherblätter". Ich grüble, ob es überhaupt noch Rasierklingen gibt, wie ich sie z. B. von meinem Vater her kenne. Das Nachdenken bringt mich auch nicht weiter. Ich erzähle meinem Mann von dem Problem, und er bietet an, es mit einem Teppichmesser zu versuchen, mit dem er Paketklebestreifen entfernt. Ich lächle milde. Männer! Wie will er mit solch einem groben Werkzeug einen fest mit winzigen Maschinenstichen angenähten kleinsten Stoffstreifen abtrennen, ohne dass der Pullover Schaden nimmt und lehne dankend ab. Fast ist mir die Freude an dem schönen, neuen Pullover vergangen. Denn ich weiß, dass er mich mit dem Juckreiz ärgern wird. Eine kleine Notlösung kommt mir kurz in den Sinn: Gerne trage ich Nickitücher. Also werde ich den Pullover eben mit solch einem Tuch schmücken. Die Ecken kann ich in den hinteren Halsausschnitt stecken. Mit der Entscheidung bin ich im Moment zufrieden. Eine Lösung auf Dauer ist sie allerdings nicht! Warum machen sich Hersteller so wenig Gedanken? Denn ich weiß von Naturbekleidung, die ich manchmal trage, dass es andere Materialien gibt. Der heutige Pullover ist aus Baumwolle. Warum muss das Etikett dann aus einem so hautunfreundlichen Material bestehen? Mir ist klar, dass ich hierauf keine Antwort bekomme. Denn die zuständigen Fachleute von Peek & Cloppenburg verirren sich mit Sicherheit nicht auf meine Homepage, um diese Gedanken zu lesen.
(26. September 2005)
|