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An diesem Wochenende bekommen wir Besuch. Ich freue mich sehr, denn unsere Tochter Anja, unser Enkel Max und den Schwiegersohn sehen wir leider nur selten. So ist nun mal das Leben, wenn die Familien an verschiedenen Orten wohnen. Jeder hat seinen eigenen Rhythmus. Der Samstag naht. Immer wieder schaue ich aus dem Fenster, aber mein Mann beruhigt mich und sagt: "Sie können noch nicht hier sein. Es ist viel los auf der Autobahn." Plötzlich läutet
das Telefon. Mein Mann eilt zum Apparat. Ich eile in die Küche,
um die Kaffeemaschine anzustellen. Es ist geplant, dass wir zum Einkaufen
in die Stadt fahren. Vorher werden wir gemeinsam in aller Ruhe Kaffee
trinken. Max hat sich gewünscht, mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Zu Hause wird meistens das Auto genutzt, weil der dortige Öffentliche Personennahverkehr katastrophal ist. Hier fährt alle zehn Minuten ein Bus. An diesem Samstag haben wir uns verabredet, weil Max im Sommer eingeschult wird. Wir wollen den Schulranzen und das nötige Zubehör kaufen. Als Großmutter möchte ich das gerne übernehmen. Nachdem der Kaffee fertig ist, klingelt es Sturm an der Haustür. Ich lächle voller Freude und eile zur Wohnungstür. Mein Mann ist bereits im Treppenhaus, um unsere Lieben in Empfang zu nehmen. Der fünfjährige
Max springt die Treppen hoch und fällt Opa um den Hals. Er läuft
auf mich zu, sieht mich einen kurzen Moment lang zögernd an. Meine Tochter und mein Schwiegersohn sind inzwischen ebenfalls in der Wohnung angekommen. Wir umarmen uns herzlich, und freuen uns, dass wir uns heute endlich wiedersehen. Während des Kaffeetrinkens werden Neuigkeiten ausgetauscht, und es macht mir Spaß, Max zu beobachten. In diesem Moment erinnere ich mich an etwas. "Max, ich habe
für später, nach dem Einkaufen, noch eine Bitte." Während die Männer
noch kurz zum Computer schauen, setzen meine Tochter und ich uns neben
den kleinen Maler und erklären ein wenig, wie am besten die Zacken
eines Sterns zu zeichnen sind. Voller Eifer bekommt Max rote Wangen. Nach kurzer Zeit machen
wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle und fahren in die Stadt. Nach diesem Einkaufserlebnis suchen wir gemeinsam ein Restaurant auf, um in Ruhe zu speisen. Max malt während der Wartezeit, oder wir spielen mit ihm ein kleines Würfelspiel. Es ist ein gemütliches Beisammensein mit allerlei Plaudereien. Ich wundere mich, wir erwachsen mein kleiner Enkel sich bei Tisch benimmt und kann mich nicht satt sehen. Für den Rückweg
nehmen wir die Straßenbahn. Diese Fahrt bietet Max ein weiteres,
unbekanntes Erlebnis, das alle genießen. Zurück in unserer
Wohnung möchte er sofort weiter malen. Nach mehreren neuen Sternen
entscheiden wir uns gemeinsam für ein besonders gelungenes Exemplar,
und auch Max gibt sein Einverständnis. "Soll ich denn
die neue Geschichte jetzt vorlesen?", frage ich zaghaft Tochter und
Enkel. Ich setze mich auf die Couch, nehme den Ausdruck der Geschichte, und beginne vorzulesen: "Das neugierige, kleine Sternenmädchen." Zwischendurch werfe
ich einen Blick auf Max. Er sitzt mit großen Augen auf seinem Hocker,
steckt ab und zu den Zeigefinger in den Mund und hört aufmerksam
zu. Auch Anja ist still geworden. Nachdem ich geendet habe, ist es mucksmäuschenstill im Wohnzimmer. Ich lege die Geschichte zurück auf den Tisch. Noch immer ist es ruhig. Voller Spannung sehe ich von Max zu Anja. Plötzlich antwortet
Max voller Inbrunst: "Toll, Oma!" "Ich möchte aber mal sehen, wie es oben am Himmel aussieht", spricht Max dann weiter und versinkt in nachdenkliches Träumen. Nachdem die Lieben später wieder heimfahren müssen, bin ich voller Ruhe und Freude. Trotz des Abschiedsschmerzes, der mich jedes Mal kurzzeitig gefangen nimmt, lächel ich. Eine schönere Kritik für meine Geschichte kann ich nicht bekommen, als das spontane und ehrliche "toll" meines kleinen Enkels Max.
***** E N D E *****
© Karin Ernst
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