Max geht gerne in den Kindergarten. Heute reden sie darüber, was die Kinder werden wollen, wenn sie groß sind. So richtig weiß Max nicht, was das bedeutet: werden wollen. Aber er wird gefragt, was Papa und Mama arbeiten. Dazu kann er etwas sagen.

Er erzählt, dass Papa viel unterwegs ist. Er muss auch immer zu einer Messe und dort viele Dinge aufstellen. Das ist ganz wichtig. Manchmal ist er auch in seinem Büro. Er telefoniert viel und sagt anderen, was sie tun sollen.

Was die Mütter tun, wissen viele Kinder zu berichten. Die meisten sind zu Hause, dann nennt man das Hausfrau. Eine Hausfrau hat furchtbar viel Arbeit.

Max Mama ist auch Hausfrau. Sie geht aber trotzdem arbeiten. Sie hat eine Praxis, dort macht sie andere Frauen schön. Das nennt man Kosmetikerin. Füße von anderen Menschen macht sie auch schön, das nennt man dann Fußpflegerin. Wenn sie nach der Arbeit nach Hause kommt, ist sie Hausfrau.

Max überlegt, ob er später Hausfrau werden will. Aber das geht ja nicht, das können wohl nur Frauen. Obwohl Papa auch ganz viel macht. Er kann bügeln und kochen, und Wäsche schmeißt er auch in die Waschmaschine. Dabei hilft Max manchmal. Wenn Mama kocht, darf er ihr auch schon mal helfen, und er kann schon ganz allein den Tisch decken.

Abends fragt er Mama und Papa, was das bedeutet: werden wollen, später.

"Du hast dann einen Beruf", erklären sie ihm.

`Ja, das will ich`, denkt Max, `dann kann ich ganz viel Geld verdienen. Aber was könnte ich denn werden?`

Er weiß, dass ein Opa von ihm früher ein Feuerwehrmann war. Das ist ganz spannend, hat er doch schon mal eine Feuerwehr besucht. Vielleicht wird er Feuerwehrmann. Dann kann er eine wunderschöne Uniform anziehen und immer mit dem Tatütata-Auto fahren. Er weiß, dass das anders heißt, aber das hat er als kleines Kind immer gesagt. Jetzt ist er schon vier Jahre alt.

Er könnte auch in einem Büro arbeiten, wie der Opa aus Düsseldorf. Der hat ganz viel mit Zahlen zu tun und arbeitet immer am Computer. Computer mag Max. Papa hat auch einen und lässt ihn manchmal daran sitzen. Dann darf er mit der Maus spielen, und ein kleines Computerspiel hat er auch schon.

`Vielleicht werde ich Computermann im Büro`, überlegt er.


Er könnte aber auch ganz viele Lastwagen haben. Wie Opa Dieter. Das nennt man dann Spediteur. Die Lastwagen müssen viele Sachen in die ganze Welt fahren. Das ist bestimmt ganz spannend.

Vom vielen Denken wird er ganz müde und schläft an diesem Abend schnell ein. Er träumt von der Feuerwehr, vom Computer und davon, dass er einen Lastwagen fahren kann.

Am anderen Morgen fährt Papa ihn wieder zum Kindergarten. Heute sehen sie wieder den Müllwagen kommen, die Mülltonnen werden geleert. Das findet Max so interessant, dass er gerne länger zusehen würde. Aber sie müssen pünktlich im Kindergarten sein.

`Vielleicht kann ich Müllmann werden, wenn ich groß bin`, überlegt Max. `So ein schönes Auto und einen so tollen Anzug habe ich dann. Oder ich werde Straßenfeger, die tragen solche schönen Arbeitsanzüge und einen ganz großen Besen. Das werde ich mir noch überlegen.`

Heute sprechen sie im Kindergarten nicht mehr über Berufe. Max muss aber immer wieder darüber nachdenken, was er werden möchte.

Als er mittags mit den anderen Kindern draußen spielt, sieht er am Himmel ein Flugzeug. Er war mit seinen Eltern auch schon mal geflogen. Das war ganz toll. Es hat auch nur ein ganz bisschen gewackelt. Sie sind in ein warmes Land geflogen. Es war ein schöner Urlaub. Papa hatte erklärt, dass die Männer, die solch ein Flugzeug steuern, Piloten heißen.

Max denkt: `Pilot zu sein ist sicher genauso schön, wie ein Auto zu fahren.`

Plötzlich fällt ihm ein, dass er noch nie Eisenbahn gefahren ist. Nur mit der Straßenbahn, aber beides ist sicher ganz ähnlich. Ein Eisenbahn- oder Straßenbahnfahrer zu werden, ist bestimmt auch sehr aufregend.

Jetzt fällt ihm noch etwas ein: Seine Eltern schauen manchmal im Fernsehen Autorennen. Da fahren die Männer in knallroten Autos. Manche sehen aber auch silbern aus oder blau. Die Wagen sind viel schneller als die auf der Straße. Alle fahren immer nur in Runden.

`Schnellfahren macht sicher besonders viel Spaß`, denkt Max. `Ich weiß, was ich werde: ein Rennfahrer, wie Schumi.`

Den Namen hat er schon oft gehört, weil Papa sich immer freut, wenn Schumi gewinnt. Dann kriegt er einen Preis.

`Vielleicht kriege ich dann auch einen Preis`, überlegt Max.

Am nächsten Tag ist Samstag. Samstags ist kein Kindergarten. Papa geht mit Max zum Friseur. Beide lassen sich die Haare schneiden. Max muss ganz still sitzen. Der Friseur trägt einen weißen Kittel und hat eine ganz tolle Schere. In dem Friseurladen riecht es auch supergut. Wie bei Mama in der Kosmetikpraxis.

`Vielleicht werde ich Friseur. Dann kann ich Papa und Mama immer die Haare schneiden. Das ist praktisch.`

Als sie nach Hause kommen, steigt gerade der Briefträger von seinem Fahrrad. Er bringt die Post. Max darf sie in den Briefkasten am Haus einwerfen. Das macht Spaß. Der Mann trägt eine blaue Uniform und hat ein gelbes Fahrrad. Max überlegt, ob er Briefträger werden will, später.

Nachmittags gehen Mama und Papa mit Max ins Schwimmbad. Richtig schwimmen kann Max noch nicht, aber er lernt es gerade. Ein netter Mann ist immer dabei, das ist der Schwimmlehrer. Er passt auf, dass Max nicht untergeht und erklärt ihm, wie er seine Arme und Beine bewegen muss. Bald kann Max schwimmen. Das ist gut, denn die Eltern wollen mit ihm wieder an die Nordsee fahren. Und dort ist ein ganz großes Meer. Da hinein darf er, wenn er richtig schwimmen kann.

`Schwimmlehrer ist ein toller Beruf`, denkt er. `Ich bringe dann allen Kindern das Schwimmen bei. Und kann immer im Wasser sein.`

Mit den Nachbarn gehen sie am Abend in ein Restaurant. So brauchen sie nicht zu Hause kochen. Das ist praktisch. Sie bestellen ihr Essen. Max isst sehr gerne Spaghetti, die darf er heute haben. Ein Mann, der ganz chic angezogen ist, kommt und schreibt die Bestellung auf einen Block. Der Mann ist ein Kellner. Später bringt er das Essen und die Getränke. Er ist sehr freundlich. Max bekommt noch Stifte und Papier zum Malen, damit ihm nicht langweilig ist. Der Kellner hat viel zu tun. Allen Leuten bringt er Essen und verschüttet überhaupt nichts.

`Kellner ist sicher auch ein schöner Beruf. Dann kann ich so viel essen, wie ich will`, denkt Max.

Das Essen bezahlt der Papa auch bei dem Kellner. Dieser hat eine ganz große Geldbörse.

`Dann bekomme ich bestimmt viel Geld`, überlegt Max.

Als sie vom Essen nach Hause fahren, denkt Max weiter über Berufe nach. Tankwart fällt ihm noch ein. Er durfte nämlich an einer Tankstelle schon einmal den Benzinschlauch halten, als Mama tanken musste. Das riecht ein bisschen komisch, aber es ist sehr interessant.

`Ich werde vielleicht Tankwart.`

Max hat so viel über Berufe nachgedacht, dass ihm ganz schwindelig ist, als er abends in seinem Bett liegt. Vieles geht ihm durch den Kopf. Noch mehr Berufe fallen ihm ein: Taxifahrer, Arzt, Gärtner, Schuster, Fußballer, Bäcker.

Jetzt wird er sehr müde und denkt: `Ich weiß, was ich werde. Erst mal werde ich groß.`

Damit schläft er ein ...




***** E N D E *****




© Karin Ernst

Bild: © Karin Scholles