Wie von Zauberhand

"Neiiiiiiiiiin! Das kann doch nicht wahr sein! Wieso gerade jetzt?", schimpfe ich entsetzt, als mitten im Text einer Mail, die ich schreibe, die Tastatur wie von Zauberhand ihre Arbeit beendet. Nichts geht mehr. Wie gerne würde ich ihr den Hals umdrehen. Stattdessen schüttle ich sie wie wild, probiere dann erneut, Buchstaben auf den Monitor zu bekommen - keine Chance.

Was ist nur los, überlege ich. Woran kann es liegen, dass mitten im Schreiben einfach abgebrochen wird? Ich teste die Maus, diese funktioniert aber. Wenigstens sie ist in Ordnung.

Nun gehe ich, cooler Steinbock, die Angelegenheit sachlich an. Es muss doch herauszufinden sein, was passiert ist. Die Tastatur ist schnurlos, funkgesteuert. Ich sehe sie mir von allen Seiten an, und dann fällt es mir ein.

Ich wende das Gerät und erinnere mich, dass es batteriebetrieben ist. Vermutlich sind die Batterien leer. Da meine Mail fast fertig ist, würde ich sie natürlich gerne zu Ende schreiben und danach versenden können. Also mache ich mich auf die Suche nach neuen Batterien.

Normalerweise besorge ich solche Kleinigkeiten, damit der Vorrat nicht ausgeht. Heute allerdings vergeblich. In meinem Schreibtisch, auf dem der Computer steht - Fehlanzeige. Ich suche im Schreibtisch meines Mannes, aber auch dort ist das Ergebnis negativ.

Nun die letzte Möglichkeit: Der Schreibtisch im Wohnzimmer, wo wir eigentlich "Büro-Vorräte" aufbewahren. Ich ziehe die zuständige Schublade heraus. Hier könnte auch mal ausgemistet werden. Was hier alles rumfliegt. … Ist doch sonst gar nicht meine Art.

Oh Freude! Ich halte eine geöffnete Schachtel Batterien in der Hand. Aber sie sind zu klein, passen vermutlich in die Fernbedienung des Fernsehers. Oder in unsere Digitalkamera. In der hintersten Ecke finde ich noch eine dicke, mir unbekannte Batterie. Wofür soll die denn sein? Ich drehe und wende sie, überlege, ob wir ein Gerät haben, wo sie hineinpasst. Mir fällt allerdings keins ein. Kopfschüttelnd lege ich sie zurück.

Wütend darüber, dass wir tatsächlich keine Ersatzbatterien für unsere Computertastaturen vorrätig haben, möchte ich die Schublade heftig zuwerfen. Rechtzeitig fällt mir noch ein, dass ich das nicht mag, weil sonst alles darin zusammen rutscht. Ich schließe sie sanft und überlege, dass natürlich nur mein Mann die letzten ausgetauscht haben kann, ohne mir Bescheid zu geben.

Erneut gehe ich zurück ins Arbeitszimmer an meinen PC-Platz. Nun ist guter Rat teuer. Ich sichere die Mail erst einmal, damit das bisher Geschriebene nicht verloren ist. Dazu brauche ich nur die Maus. Missmutig starre ich auf die streikende Tastatur, finde dort aber die Lösung nicht.

Doch plötzlich … "Ich hab's! Darauf hätte ich auch eher kommen können", rufe ich freudig aus und erhebe mich von meinem Bürostuhl.

Hinter mir steht der Computer meines Mannes mit der dazu gehörigen Tastatur. Natürlich ist auch diese batteriebetrieben. Ich entferne auf der Rückseite die kleine Plastikklappe und mopse mir die beiden darin befindlichen Batterien. Lächelnd tausche ich sie bei meiner Tastatur aus.

Der Schreibtest klappt! Ich kann weitertippen.

Gleich heute Nachmittag werde ich neue Batterien besorgen, nehme ich mir vor und lege eine der verbrauchten zu meiner Handtasche, damit ich bloß daran denke.

Wer sagt denn, dass Frauen technisch unbegabt seien??

 

(16. September 2005)
© Karin Ernst