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Wieder ist es kein Zufall
Eine junge, ausnehmend hübsche Schweizerin sitzt mir gegenüber, um sich herum verteilt ebenfalls Papiere und Stift. Interessiert schaut sie auf den Titel meines Buches und meinen Schreibblock und lässt sich meine Gedanken zum Amoklauf eines Schützen in Amerika vorlesen. Die Lyrikform gefällt ihr genauso wie das Phantasieland, das ich beschreibe. *) Angeregt unterhalten wir uns und stellen fest, dass wir uns beide momentan in ähnlicher Situation befinden. Von Trennung ist die Rede, von Liebe und vom Loslassen, aber auch von Kummer und Herzschmerz. Ich kann es kaum glauben, dass ich zurzeit vermehrt auf Menschen stoße, mit denen sich spontan kurze, aber stimmige Kontakte ergeben. Obwohl die Fremde wenig Zeit hat, plaudern wir noch eine Weile miteinander und versprechen, uns gegenseitig die Daumen für eine positive Zukunft zu drücken. Wir hoffen, dass sich unsere Wünsche erfüllen. Für ihre berufliche Zukunft im Ausland wünsche ich ihr viel Erfolg, und sie verabschiedet sich mit einem fröhlichen Lächeln. Hatte ich in meiner Behandlung noch von melancholischen Gedanken erzählt, sehe ich nun in gelöster Stimmung dem restlichen Tag entgegen. Im Gepäck die Erinnerung an eine mutmachende, entspannte Unterhaltung. Als ich den Laden verlasse, erfreue nicht nur ich mich an der strahlenden Sonne, sondern auch meine Seele. Endlich mal wieder! Zu Hause gibt es ein weiteres Entzücken. Der "Götterbote" brachte ein Päckchen, das ich erwartungsvoll auspacke. Zum Vorschein kommt ein kleiner Engel-Kerzenständer, das Geschenk einer Mailfreundin. Den Engel ziert ein allerliebster Gesichtsausdruck, so dass die angedachte Überraschung wirklich gelungen ist! Danke, liebe I.! Doch der Höhepunkt dieses Erfolgstages gipfelt in einem Anruf, den ich nicht erwarte. Es ist meine Mutter, zu der ich seit Jahren keinen Kontakt mehr habe. Wie unterhalten uns fast eine Stunde lang, erzählen Neuigkeiten und wissen, dieser Anruf wird nicht der letzte bleiben. Das Leben ist so kurz. Wo sich eine Tür
schließt, öffnet sich irgendwo ein Fenster, fällt mir
ein. Freude pur! Was für ein Tag!
(19. April 2007) |