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****Eine Geschichte
für Kinder****
Eines Morgens sagt
Mama zu ihren Kindern: "Wisst ihr was? Ein Zirkus kommt in unsere
Stadt. Wir werden alle hingehen."
Ganz aufgeregt ist Jasmin und möchte am liebsten gar nicht in den
Kindergarten gehen. Noah versteht noch nicht so richtig, was die Mama
da erzählt. Er sieht aber die Freude in den Gesichtern und freut
sich mit. Sicher ist es etwas Lustiges, was sie sich ansehen werden.
Als Mama Jasmin vom Kindergarten abholt, fahren sie an dem Platz vorbei,
auf dem das Zirkuszelt aufgebaut wird. Jasmin schaut interessiert aus
dem Fenster. Noah ist eingeschlafen.
"Mama, können wir nicht kurz zuschauen?", bettelt sie.
"Heute Nachmittag, wenn ihr ausgeschlafen habt, können wir hingehen
und zusehen. Das wird dann gleich unser Spaziergang", antwortet Mama.
Nach dem Mittagsschlaf laufen alle zusammen zum Zirkusplatz. Jasmin hüpft
vorneweg, kann sie es doch kaum erwarten. So viel gibt es zu sehen.
Männer arbeiten daran, das große Zelt aufzubauen. Ringsherum
auf dem Platz stehen die Wohnwagen der Zirkusleute. Viele Käfige,
in denen die Tiere wohnen, gibt es hier. Ganz vorsichtig wagt sich Jasmin
an die Tierkäfige heran. Sehr aufregend ist alles und es herrscht
buntes Treiben. Noah steht ganz versonnen und schaut zu, wie ein Clown
übt, einige Reifen aufzufangen.
"Wann ist der Zirkus fertig aufgebaut, Mama? Gehen wir dann in das
Zelt und schauen zu?", fragt Jasmin.
"Natürlich gehen wir in eine Vorstellung", antwortet Mama.
"Es gibt eine Extravorstellung nur für Kinder und Eltern am
Nachmittag. Die können wir am Samstag besuchen."
"Au fein!", freut sich Jasmin.
Noah ist müde geworden und klettert in seinen Buggy. Alle gehen nach
Hause. Abends hat Jasmin Papa eine ganze Menge zu erzählen. Die Familie
freut sich auf den Samstag. Jasmin schläft träumend ein.
Samstag kommt. Mama fragt morgens: "Jasmin, weißt du, was heute
für ein Tag ist?"
Wie kann Jasmin das vergessen. Heute geht sie nicht in den Kindergarten,
also ist Samstag. "Ich weiß, wir gehen am Nachmittag in den
Zirkus." Vor Freude singend läuft sie davon. Ihrer Freundin
im Nachbarhaus will sie diese gute Nachricht bringen.
Dann ist es endlich so weit. Mama, Papa, Noah und Jasmin gehen los.
Welch ein Anblick, als sie auf dem Zirkusplatz ankommen. Viele bunte Lichter
brennen. Das Zelt sieht wunderschön aus. Musik spielt, und alles
strahlt festlich. Jasmin bekommt vor lauter Aufregung rote Wangen, und
Noah macht große Augen. Papa kauft Eintrittskarten, dann gehen alle
vier hinein ins große Zirkuszelt. Viele Besucher sind gekommen.
Jasmin sieht Kinder, die mit ihr den Kindergarten besuchen.
Die Vorstellung beginnt. Alle sind mucksmäuschenstill. Pferde werden
vorgeführt. Elefanten drehen sich im Kreis. Danach kommt eine wunderschön
gekleidete Frau. Alles an ihr glitzert.
"Das ist aber ein hübscher Anzug", flüstert Jasmin.
Die Frau klettert auf einer langen Strickleiter weit nach oben. Dort hängt
eine Schaukel.
"Papa, hat die Frau gar keine Angst?", fragt Jasmin.
"Nein", antwortet Papa. "Sie ist eine Trapezkünstlerin.
Jeden Tag übt sie an ihrem Gerät. Darum kann sie es so gut."
Jasmin sieht, dass das Trapez wie eine Schaukel aussieht. Darunter ist
ein Netz gespannt. `Das ist gut`, denkt sie. `Das Netz kann sie auffangen,
wenn sie fällt.` Natürlich bleibt die Schaukelfrau oben.
Anschließend kommt ein Clown. Alle Kinder freuen sich und klatschen
heftig. Schön bunt ist er gekleidet und trägt viel zu große
Schuhe. Ulkige Späße macht er. Alle lachen. Der Clown kommt
nah an die Kante, so dass er dicht vor Jasmin steht. Noah krabbelt schnell
auf Mamas Schoß.
"Nun suche ich jemanden, der mit mir in die Manege kommt", sagt
er und schaut sich um.
Viele Kinder sehen ängstlich aus. Zusehen wollen sie gerne, aber
mitmachen ist eine andere Sache. Jasmin blickt ihn interessiert an. Der
Clown lächelt sie an. "Möchtest du mitkommen?", fragt
er.
Jasmin nickt eifrig. `"Pah`, denkt sie, `ich habe doch keine Angst.`
"Hier haben wir unsere Künstlerin gefunden", ruft der Clown
in die Menge. "Diese junge Dame wird jetzt meine Partnerin. Applaus
für ... Wie heißt du denn, meine Kleine?", fragt er.
"Jasmin", antwortet sie.
"Das ist ein sehr schöner Name. Prinzessin Jasmin also."
Papa hebt Jasmin über die Brüstung. Der Clown geht mit ihr in
die Manege. Mama, Papa und auch Noah klatschen. Jasmin bekommt eine rote
Pappnase und einen bunten Hut. Ein paar große Sommersprossen werden
auf ihre Wangen gemalt. Lustig sieht sie aus.
Der Clown erklärt: "Du machst jetzt bitte alles nach, was ich
mache. Alles, verstanden?"
"Klar", sagt sie und merkt gar nicht, dass sie stolpert. Rums,
liegt sie auf dem weichen Boden. Alle lachen.
Vielerlei Spaß hat sich der Clown ausgedacht. Jasmin hat viel Freude.
Vor lauter Eifer bekommt sie rotglühende Wangen. Gar nicht leicht
ist es, dem Clown alles nachzumachen. Am Ende verbeugt sie sich zusammen
mit ihm, er hebt sie hoch und trägt sie auf seinen Schultern rundherum
durch die Manege. Viel Beifall bekommen sie. Das Publikum trampelt vor
Begeisterung. Als Dankeschön bekommt "Prinzessin Jasmin"
einen riesengroßen Lolli. Lächelnd wird sie zu den Eltern zurück
gebracht. Mama und Papa sind richtig stolz auf ihre Tochter.
Kurz darauf ist die Vorstellung beendet. Lachend und erzählend gehen
alle nach Hause. Noah ist eingeschlafen. Draußen ist es inzwischen
dunkel.
Sonntagmorgen fragt Jasmin: "Können wir noch einmal zum Zirkusplatz
gehen? Ich würde mir gerne noch einmal alles ansehen, bevor der Zirkus
abreist."
"Nach dem Frühstück gehen wir spazieren und können
vorbeischauen", verspricht Mama.
Jasmin freut sich. Sie nimmt ihren Puppenwagen und setzt die Lieblingspuppe
auf ihr Bett. "Du bleibst heute zu Hause, Lina", sagt sie, "es
ist zu kalt für dich."
Ihren dicken Teddy setzt sie in den Puppenwagen. Dann gehen sie los. Mama
schiebt Noah im Buggy und seine Schwester ihren Teddy.
Auf dem Zirkusplatz ist alles ruhig. Keine Lichter brennen, das Zelt ist
geschlossen. Jasmin stellt ihren Puppenwagen an die Seite und geht zu
den Käfigen. Alles sieht sie sich noch einmal an. Als sie zurück
zum Puppenwagen kommt, ist ihr Teddy verschwunden. Er sitzt nicht mehr
im Wägelchen. Sie blickt sich suchend um. Wo mag er nur sein? Den
Wagen hatte sie vor dem Bärenkäfig abgestellt. Nun schaut sie
und bekommt große Kulleraugen. Der kleine Bär im Käfig
tanzt. Mit ihrem dicken, kleinen Teddy dreht er sich im Kreis. Jasmin
glaubt zu träumen und wischt sich die Augen. Wieder schaut sie.
Jetzt liegt ihr Bärchen vor dem Käfig neben dem Puppenwagen
auf dem Boden. `Wie ist er dort nur hingekommen?`, überlegt sie.
Liebevoll packt sie ihn wieder ein und geht nachdenklich zu Mama und Noah.
Alle nehmen Abschied vom Zirkus und dann laufen sie nach Hause.
"Vielleicht kommt er nächstes Jahr wieder in unsere Stadt",
sagt Mama. "Dann können wir wieder hingehen."
Als Jasmin abends einschläft, denkt sie: `Wenn ich groß bin,
werde ich Trapezkünstlerin. Oder Clown. Aber können Mädchen
auch Clowns werden`?
Sie beschließt, dass das möglich ist ...
***** E N D E *****
© Karin
Ernst
Bild: ©
Karin Scholles
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