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Zufriedenheit in mir Als ich heute jemanden frage, wie es ihm geht, antwortet er: "Danke! Wenn es so bleibt, bin ich zufrieden." Wir lächeln uns an. Die Antwort kann ich nachvollziehen, denn auch mir geht es seit Tagen bestens, so dass ich frohgemut behaupte: Ich bin zufrieden. Viele Menschen, denen ich unterwegs begegne, zeigen einen mürrischen Gesichtsausdruck. Gewiss hält der Sommer sich in diesem Jahr leider zurück, erst der Juli, jetzt auch der August. Ich denke aber, weil wir das Wetter sowieso nicht beeinflussen können, müssen wir nicht mit einer Leidensmine herumlaufen. Oft mache ich mir einen Spaß und nicke solchen miesepetrigen Leuten fröhlich zu. Meistens schauen sie ein wenig irritiert, häufig aber schmunzeln sie zurück. Möge diese Veränderung noch eine Weile in ihnen anhalten. Ach ja, um zufrieden zu sein, brauchen wir doch gar nicht so viel Wenn auch die Sonne nicht scheint, können wir sie uns hinter Grauwolken vorstellen, sie in unser Herz ziehen lassen, damit schlechte Laune verschwindet. Blumen blühen trotzdem, an denen wir uns immer wieder erfreuen können. Auf dem Weg vom Bus fällt mir ein ungemähtes Rasenstück auf. Ich bleibe einen Moment lang stehen, weil etwas meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Durch vielen Regen der letzten Zeit ist das Grün so kräftig, dass es mir angenehm auffällt. Dazwischen blüht Wildkraut in voller Pracht, eine Wonne für meine Augen. In einer Pfütze sehe ich einige Spatzen baden. Voller Lust plantschen sie herum. Auch dieses fröhliche Bild lässt mich auf meinem Weg innehalten. Selbst der Tropfen, der vom Blatt eines Baumes auf meine Brille kullert, stört mich nicht. Der "Sommer" hat in diesem Jahr die Natur nicht ausgetrocknet, so dass herrliche Farben ein Geschenk sind. Auch regnet es nicht andauernd, sondern in leichten Schauern. Zwischendurch gibt es Variationen in Grau am Himmel, und die Sonne setzt Minutenakzente. Bei 34 Grad hätte ich sicher nicht solche freudigen Kurzerlebnisse. Ich erinnere mich an meine gestrige krankengymnastische Behandlung, die mir heute noch gut tut. Die Therapeutin war überrascht von positiver Energie, die mich umgab. Vielleicht habe ich eine ganze Menge davon aus der Natur gespeichert. In diesem Sommer, der seinem Namen zwar keine Ehre macht, mir aber anscheinend wohl bekommt. Ich schlafe ausnehmend gut, was äußerst selten ist, Dauerschmerzen kann ich aushalten. Mein Mann hat mich lieb, meine Kinder und Enkel sind gesund, ich habe nette Kontakte, also kann ich doch vor Energie strotzen. Wer möchte welche abhaben? Ich breite meine Arme aus, als ob ich einen Baum umschließen möchte. Ach ja! Ich kann wirklich aus voller Überzeugung behaupten: Im Moment geht es mir herzseelenkörperlich besonders gut. Warum soll ich also mit meinem Leben nicht zufrieden sein?
(12. August 2005)
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